7
gemäßigt blieb, denn in einer Zeit des Uebermuths und Unglaubens, wie die unſtige, könnte es nöthig werden, daß auch der Biſchof die Bruſt ſchnüren müßte in Erz⸗ um Dom und Altar zu vertheidigen: ein Feuerengel vor dem Paradies, ein Cherub vor der Himmelspforte, und glaubt mir, gelahrter Herr, Markgraf Leopolds Söhne würden nicht zagen, ſchwölle ein Meeresſtrom ungläubiger Chriſtusſchänder heran zu den Stufen des Heiligthums, welches ſie zu beſchützen gewürdigt. Aber wir ſprachen nur von dem unnützen Spiel mit dem ſcharfen Stahl, worin Leben und Leib gefährdet wird um ein Goldkett⸗ lein oder gar einem eiteln Dirnlein zu Gefallen, wo Leib und Leben eingeſetzt wird, um dem Götzen der ir⸗ diſchen Ehre zu dienen, wo tapfere Thoren nicht für Gott und Vaterland, ſondern um ein elendiglich Kleinod aus Damenhand ſich die Hälſe brechen. Ich ſah es voraus, wie es gekommen, als der Spanheimer einen Monat lang unter uns gewandelt und ſolch überſchwenglichen Eifer laut werden ließ. Die ächte Geiſtesgluth ziſcht nicht auf in Zackenflammen, die ſich in Qualm auflöſen, der wolken⸗ an wirbelt; ſtill glimmt ſie, am Scheit langſam zehrend, und wohlthätig wärmend wie das Kaminfeuer. Dort im Kärnthnerlande, in Graf Bernards ſtiller Burg, wohnte der Verſucher dem Jüngling fern, Friede im Lande gab dem jungen Gemüth Langweile, ſeinem ſchwärmeriſchen Sinnesflug kein⸗Ziel, und die Wiſſenſchaft nutzte ihm als Zerſtreuung und Phantaſienſpiel; in der Welt von Paris, im Glanz der Majeſtät, geſchmeichelt von dem gutmüthigen Könige und der leutſeligen Königin, hielt das Gold nicht Probe, und er wird ein Abtrünniger, mag ſeine Scham ſich auch ſträuben, wie ſie will.
Nicht Alle können Alles, entgegnete Abelard mit


