Teil eines Werkes 
14 (1843)
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Kranzes von blauen Cyanen, und wer die Reliquie näher zu betrachten gewagt, würde zwei lange ſeidene Haar⸗ fäden von dunkelſter Färbung entdeckt haben können, die der rauhe Stengelkranz wie ein heimlicher Dieb feſtge⸗ halten, als er den ſchönſten Platz verlaſſen, den je eine Blume geziert. So ſah man auf dem Marmortiſchlein unter dem Bilde ein Kruzifir von Ebenholz und Silber, doch dicht davor ſtand die liebliche kleine Marmorgruppe Hymen und Amor, kämpfend um die lodernde Fackel, welche einem von ihnen entfallen am Boden liegt⸗ und dicht neben der Gruppe, gleichſam als Allegorie, duftete in einer bauchigten Kriſtallphiole eine halbaufgeblühte Centifolie von der herrlichſten Gattung⸗ wie ſie nur in den ſchönſten Gärten der Provenge zu finden, und ein Orangenzweig mit ſeinen Silberflocken friſch im friſchen Quellwaſſer, wie eben gebrochen und eben als redender Selam geſendet zu Wohl, Qual und Entzücken zweier Herzen. 4

Die drei Männer waren Meiſter Pierre Abelard, da⸗ mals einer der berühmteſten Lehrer der Hochſchule zu Paris wer kennt ihn nicht und ſeine Heloiſe? und ſeine vornehmen Scholaren Konrad von Paſſau und Otto, ſpäterhin von Freifingen genannt, die trefflichen Söhne des Markgrafen in Oeſterreich.

Erſchöpft von den anſtrengenden Uebungen der Dia⸗ lektik machten Lehrer und Schüler jetzt eine Pauſe und blickten von ihren Manuſeripten auf, die Augen zu ſtärken an dem abendlichen Sonnenſcheine, welcher ſo einladend durch die ſchmalen Scheiben der Fenſter hereinfunkelte.

Was ihn wiederum feſtgehalten haben mag? begann Otto, indem ſein dunkelblaues ſchwermüthiges Auge auf den fernen Markt, den das Gewühl der heimkehrenden