Teil eines Werkes 
13 (1843)
Einzelbild herunterladen

Rachbar iſt.

492

Prinzeſſin Sophie verlangte von dem alten Fürſten die Erlaubniß zur Reiſe zu ihrem alten Vater, doch ohne die furchtbare Anklage bei dem kränklichen, ehrwürdigen Schwiegervater auszuſprechen; da kam die Trauerpoſt,

daß der Vater vor zwei Tagen in dem Herrn entſchla⸗

fen ſey und ſein ſchönes Ländchen dem Gemahle der Tochter vererbt habe. Auf ein ſtilles Landſchlößchen zog ſich die Tiefgebeugte jetzt zurück und weihete ſich dort der Pflege ihrer unglücklichen Freundin, welcher die gü⸗ tige Vorſehung einen ſtillen Wahnſinn geſandt hatte, der Phantaſienblumen über den grauſen Abgrund hing, an dem ſie nach dem Verluſte ihres Lieblings zu ſtehen wähnte.

Bedeutende Welthändel, in welche der Prinz verwickelt ward, und die alle ſeine großen und beſſeren Eigenſchaf⸗ ten in Anſpruch nahmen, gaben auch ihm Zerſtreuung und Vergeſſen, denn was vergißt der Menſch nicht! doch fand man ihn ſpäterhin oftmals gedankenvoll ſtehen vor dem Bilde in ſeinem Kabinet, worauf die Prinzeffin Sophie in Hirtentracht und mit dem bebänderten Schä⸗ ferhute gemalt war, und unter das er Kunigſteens und Blumhelms Degen hatte aufhängen laſſen, ſichtlich als Warnungszeichen für eine wichtige Herrſcher⸗ zukunft.

Noch hundert Jahre und darüber nachher zeigte man im Reſidenzſchloſſe zu**** die Stelle des Ganges, wo der ausländiſche Graf niedergeworfen wurde, zeigte den Gläubigen noch die Blutflecke auf der weißen Kalkwand, die kein Tüncherpinſel zu decken vermochte, und in des Trabantenhauptmanns Blumhelm Familie, der wirklich ſeitdem ſeinen Namen verändern ließ, ging von Mund zu Munde, von Enkel zu Enkel die Schauergeſchichte über, ſo wie der Urgroßvater in der Lindenlaube ſeines

Erbgärtchens ſie einſt den Enkeln erzählt und dabei ernſt⸗ lich ſie ermahnt hatte, im ſtillen, friedlichen Blumen⸗

thale des Bürgerlebens das Glück zu bewahren, und nicht in Eitelkeit und Ehrgeiz es auf der Höhe zu ſuchen, wo die jähe, todtdrohende Tiefe immer ein grauſer