475
„
Er verbarg den Brief der Prinzeſſin in ſeiner Brief⸗ taſche, küßte das Fräulein mit Innigkeit und ging. Sie ſah ihm trübſinnig nach, und kaum ein Halbſtündchen ſpäter, das ſie in tiefen, düſtern Gedanken mit dem Ordnen der Koffer zugebracht, vernahm ſie den Huf⸗ ſchlag ſeines Roſſes und ſah ihn im Oberrocke über die Schloßbrücke ſprengen⸗ und bald jenſeits des rau⸗ ſchenden Stromes, deſſen Hauptarm das Schloß beſpülte, hinter Mühlen und Gebäuden verſchwinden.
Der Graf Kunigſteen vewohnte als erſter Hofcava⸗ lier, Legationsrath des Herzogs, Kriegskamerad und Vertrauter des Erbprinzen die oberen Zimmer eines Seitenflügels vom Schloſſe, der vormals ein Mönchs⸗ kloſter geweſen war, und erſt vom vorletzten Fürſten zur Behauſung der unverehelichten Hofdienerſchaft ein⸗ gerichtet und beſtimmt worden. Schmale Gänge zogen ſich durch das dunkle Haus bis zu den Verbindungs⸗ thüren, welche von dem kirchlichen Gebäude zu der eigentlichen Reſidenz durchgebrochen waren; enge Trep⸗ pen wanden ſich durcheinander, und ſpitzgewölbte Fen⸗ ſter mit kleinen Bleiſcheiben warfen ein trauriges Halb⸗ licht dem Innern des öden Wohnplatzes zu. Der äußere Eingang des ehemaligen Kloſters öffnete ſich nach einem Hinterhofe des Schloſſes, von welchem aus ein Thor⸗ weg zu einer Seitengaſſe führte.
Hier war es, wo Graf Kunigſteen ſein beſtes Pferd beſtieg, nachdem er ſich nicht einmal Zeit genommen⸗ ſeine Kleider zu wechſeln, ſondern nur ſeine Börſe ge⸗ füllt hatte. Hier war es, wo er nochmals ſeinem Jäger, welcher das Pferd des Herrn hielt, indeß der Reitknecht
——
—
——
—
——


