Teil eines Werkes 
13 (1843)
Einzelbild herunterladen

469

Ich befehle Dir's, wenn auch mein Beweis längſt

mir in der Feuerſchrift dieſer wunderſchönen Augen er⸗

ſchien! jubelte Ludwig und umſchlang den Nacken der

Schönen. Sie duldete ſeinen heißen Mund, aber draußen

wr.ieherten und trabten Roſſe, Hunde ſchlugen an und

eein dumpfes Getöſe verrieth die Ankunft, die ſtörende,

des höfiſchen Gefolges und der ganzen Jagdgeſellſchaft,

1 deren Hörner und Gejauchze mit einem tönenden Hallali das Abfangen des Edelhirſches verkündeten.

. Statt des feſtlichen Geräuſches war in den nächſten Tagen eine deſto merkbarere Stille eingetreten, die über

den Paläſten der Reſidenz weilte, als ſei die Peſt in der Gegend, und ein Jeder ſcheue die Berührung des Andern. Dieſe Stille war keine friedliche Ruhe, es war keine wohlthätige Erholung nach ungewohnter und übermäßiger Ergötzung, nein, es war jene lautloſe Schwüle, welche in der Natur herrſcht, wenn ein ſchwe⸗ res Ungewitter ſich am Horizonte heraufwälzt und alles Lebende vor ihm ſich birgt und Sicherheit ſucht, ehe denn die tödtenden Blitze leuchten. Die Erbprinzeſſin ließ ſich krank melden bei der alten Herrſchaft und verließ ihre Zimmer nicht, wo ſie nur den Vertrauteſten ſichtbar war; der Erbprinz hatte vor⸗ geblich bei der Parforgejagd die Hand verletzt, und erſchien weder bei Tafel, noch bei der Parade; das alte Fürſtenpaar ſaß einſam zuſammen und ſpielte ein ernſtes Schach, das nur dann unterbrochen wurde, wenn zu der gewöhnlichen Stunde der Hofmeiſter die liebens⸗ würdigen Großkinder ihnen zuführte, oder wenn ein be⸗ liebter Gelehrter oder ein würdiger Geheimerath in

4