Teil eines Werkes 
11 (1843)
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Wachtmeiſter mit demſelben unveränderten Steingeſicht, hinſchauend in den gewiſſen Untergang, und hielt mit muskelvollen Armen den Stamm umklammert. Ueber ihm, auf ſeine Schultern die brechenden Kniee ſtützend, hing in den braunen Aeſten die zarte Hausfrau des Peter Buſch, ihr Töchterchen in einem Mantel bergend, und weiter unten ritt auf einem Kreuzaſte die derbe Magd, mit erſtarrter Hand ſich krampfhaft haltend an einem höhern Baumzweige, und mit der Linken den älteſten Sohn ihres Brodherrn treu umſchlingend. Alle ſahen längſt vegrabenen Leichen gleich, und der Wind trieb noch dazu ſein höhnendes Spiel mit den dünnen Män⸗ teln, die kaum die Glieder der Erſtarrten zu decken hin⸗ reichend waren.

Ein allgemeiner, einiger Freudenſchrei empfing die unerwarteten Retter; aber Beta's Stimme klang von oben laut hindurch.

Er iſt es! rief die junge Frau mit unverſtelltem Ent⸗ zücken. Ich wußte es ja! Kam Einer, ſo mußte Er es ſein. Der halbverſtandene Ruf klang wie Engelsmuſik in Beatus' Ohren, und mit herkuliſcher Kraft ſtieß er den Kahn dicht unter den Baum, und ſchlang das Seil im Eiſenringe feſt um den niedrigſten Theil des Stam⸗ mes. Es war die höchſte Zeit geweſen, denn der Arm der froſterſtarrten Magd ließ gerade los, und ſie und das Kind fielen herab, glücklich jetzt aufgefangen von den ſtarken Armen der Retter.

Der alte Wachtmeiſter ließ ſich von dem Seemanne herunter helfen, und ſagte, ohne Beatus anzuſehen: Er hat unſerer gedacht, Daniel, Er alte, kahle Schiffsratte? Nun das iſt recht brav von Ihm, und Gott wird's loh⸗ nen, wenn ich es nicht kann.

Blumenhagen. XRI. 32