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war. Freier wurde jetzt die Fahrt durch Felder und Maſch, und nur noch befährdet durch die Kreuzſtrömungen, welche von den verſchiedenen Durchbrüchen in dem hier faſt zir⸗ kelförmigen Ufer des Elbſtromes verurſacht wurden. End⸗ lich waren ſie im Angeſicht von Nienkop, aber der Hin⸗ blick darauf war Centnerlaſt auf die Bruſt des kühnen Beatus. Der niedrig gelegene Ort ſtand tiefer als alles Uebrige in der weiten See; nur Dächer und Baumgipfel ragten davon hervor, und als der Männer ſuchendes Auge das Haus der Wallans ausgefunden, erblickten ſie mit Schauder keine Menſchenſeele auf dem Dache oder in den weitoffenen Bodenfenſtern, die ſchwarz gähnten über dem Waſſerſpiegel, wie Oeffnungen leerer Gräber.
Alles verloren, und ich nun mit! murmelte Beatus in ſich, den Todesſchmerz fühlend, und ſeine Rechte ließ das Ruder finken. Wir kamen hu ſpät. O dann, Gott, ſchenke mir nur ihren Leichnam, daß ich, wie jener un⸗ glückliche Vater ſein Kind, auch ihn begraben kann, ehe der Frevel ihn entweihet und ſeiner ſpottet!—
Muth! rief der Seemann. Bei Gott iſt nichts un⸗ möglich, und ſie liegen vielleicht Alle drinnen auf dem Heuboden, erſchöpft von Geſchrei und Kälte und Hunger. — Mit erneuerter Kraft ruderte Beatus weiter.
Jetzt bogen ſie behutſam um die Dachecke, ſchifften hoch über dem Gatterthore weg in den ehemaligen Hof⸗ raum, und ein Schrei des Entſetzens und der Freude zugleich entfuhr Beiden über den Anblick, welcher ſich ihnen ſofort darbot. In dem Wipfel der uralten Linde, deren ſtarke Zweige die Spitze des Hauſes umgriffen und beſchatteten, regten ſich fünf menſchliche Geſtalten, und Beatus erkannte auf den erſten Blick den alten Wallan mit ſeiner Familie. In der Mitte des Baumes ſaß der


