gar dünn geworden, Herzog Georg machte den Reichs⸗ völkern viel Moleſtie, und der wilde Knipphauſen zog immer mehr Schweden in's deutſche Reich; da mußten die Kerntruppen heran aus dem Innerſten des Kaiſerlan⸗ des, auch wir von Mailands fernen Grenzen ſtießen zum Tilly, und tauſchten die goldene Sonne mit dieſem ge⸗ frorenen Nebelhimmel. Das war ein ſchweres Muß; aber wie Du, Freundchen, freiwillig ſolchen Tauſch ge⸗ than, will mir nicht klar werden, und wie Du mit gan⸗ zen Knochen und einem Hemde auf dem Leibe durch die überall vertheilten, zügelloſen Kriegsbanden bis daher ge⸗ pilgert, iſt mir ein noch größeres Räthſel, wenn nicht der Pater Joſeph zu Aſſiſi Dir ſeinen Wunderring ge⸗ ſchenkt, der unſichtbar und ſtichfeſt macht ſelbſt gegen ge⸗ weihte Waffen.—
Der Maler ſeufzte unmerklich und warf einen Blick nach einer nahen Höhe, von der ein altes Bergſchloß durch die faſt entlaubten Eichen herabſah. Die Kunſt iſt frei und fürchtet nicht die Gewalten der Erde, ant⸗ wortete er mit leichtem Spott. Mein Malergeräth ſieht weder dem Golde noch dem Silber gleich, nach welchem eure Schwerter am liebſten ſtoßen. Und gerieth ich ein⸗ mal zwiſchen eine ungeberdige Rotte, ſo malte ich ihnen ein Kaiſerbild oder den Tilly auf ſeinem Schimmel vor Magdeburg, oder den Schwedenkönig, wie ihn der Teu⸗ fel bei Lützen holet, und es gelang mir damit eben ſo gut die Beſtien in Menſchengeſtalt zu beſänftigen, wie es mir gelang, dem kümmerlichen, geizigen Bauersmann für ein Heiligenbild oder ein Portrait ſeiner grämlichen Haus⸗ frau einen Theil ſeines Mittagsbrodes abzuſchwatzen.—
Alſo immer geht bei Dir noch die Kunſt nach Brod? fragte mitleidig der Kriegsmann. Dachte ich doch, der


