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gelebt, antwortete der Fremde; wenn wir nichts Anderes zu fürchten hätten, ſo ſtände es noch nicht ſo übel um unſern Hals.—
Seid nicht ungläubig, Herr, bat der Schütz inbrün⸗ ſig. Unglaube iſt des Teufels Brücke, und lockt ihn und ſeine Geſellen heran.—
Trotz ihrer verzweifelnden Lage mußte der Fremde heimlich lächeln, freute ſich aber zugleich, daß die Furcht den Schritt des braven Burſchen zu ſpornen ſchien, freuete ſich, daß der Lichtſchimmer ſich bei jedem Schritte ver⸗ größerte, bis der Tag deutlich durch eine geräumige Oeff⸗ nung einſtrömte, die einen Ausgang dieſes Felsgewölbes bildete. Raſch traten Beide zugleich hinaus in das Freie und ſchöpften tief Athem, und warfen die Augen in höch⸗ ſter Seelenfröhlichkeit rund um.
Ein breiter Waſſerfall, durch Gletſcherbäche gebildet, ſtürzte ſich rechts ihnen zur Seite herab, und beſpritzte ſie mit kaltem Sprühregen; links lag ein Kiefernwald, ſchwarz und düſterer noch durch die Schneedecken, welche hie und da von ſeinen breiten Aeſten getragen wurden, zugleich aber zog von dieſem jungfräulichen ein dumpfes, ſonderbares Gemurr ihre Aufmerkſamkeit an ſich.
Entſetzen malte ſich auf des Schützen Geſicht. Hier iſt nicht Hülfe, Herr! ſtammelte er. Schauet Ihr dort nicht den ungeheuren Brummbär, der an dem Walde herab gerade auf uns zu ſpaziert? Und von meinem Stutzen iſt der Hahn geſprungen, als ihn. der Fall gegen das Geſtein geworfen. Ich will's mit der Kolbe verſu⸗ chen, aber ich hoffe wenig davon, denn das gräßliche Thier da ſieht aus wie der Urgroßpapa aller Bären im Tirolerlande. Auferſtanden ſind wir aus dem Steingrabe,


