Teil eines Werkes 
10 (1843)
Entstehung
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Schauſpiel, doch jetzt krachte der ungeheure Schlag, der andeutete, wie der Schneekoloß den Grund berührte, und mit Entſetzen fühlten Michael und der Fremde, wie die Eisſcholle wich, einbrach, und ſie in die Tiefe verſanken.

Habt Ihr das Genick gebrochen, Herr? Oder iſt noch ein Stückel Seele in Euch? tönte nach einer Weile Michaels Stimme.

Du lebſt? fragte die freudige Stimme des Fremden aus einiger Entfernung zurück. Aber wie ſteht es um Dich? Denn fühlſt Du Deine Gebeine geſund, ſo eile zu mir, ehe die Schneelaſt mein letztes bischen Athem zuſammengedrückt.

Der Schütz raffte ſich ſofort auf, und in dem Halb⸗ dunkel, das ihn umgab, tappie er ſich glücklich der Stimme nach, fand den Gefährten und hatte ihn bald aus dem Schneebett herausgefördert, welches ihn belaſtete.

Aber wo ſind wir, und was nun? fragte der Aus⸗ gegrabene. Der Schütz kratzte ſich die Schneeflocken aus dem Haar, und ſuchte am Boden nach Hut und Gewehr umher.

Das iſt eine ſakriſche Geſchichte! murrte er dabei. Durch den verdammten Rauchfang da oben muß ſchon manches Jahr der Schnee geſickert ſein, denn ſonſt wären wir nicht ſo glücklich wie auf einer Rutſchbahn hier unten angelangt; der letzte harte Winter mag dann das be⸗ trügeriſche Eisbrückle über die Wolfsgrube gelegt haben. Aber wo wir ſind und wie hinaus, wiſſen die Heiligen allein. Schauet hinauf, Herr, das Luftlöchel droben iſt thurmhoch über uns, und die Schneebahn iſt weich und leidet keinen Tritt. Dazu iſt die Flaſche mit Kirſchwaſſer in meinem Sack zerſchlagen und Brod und Käs all ge⸗ worden auf dem Marſch. Beim heiligen Daniel, dem