30
Du den Adoptivſohn Deiner Vaterſtadt in mir erkannteſt. Du warſt eben von Neapel und von der wunderlichen Sicilia gekommen, ich war ſchon eingebürgert in der klaſſiſchen Roma. Wie flogen von da die vorhin ſo ſchleichenden Stunden im Austauſch der Erfahrungen! Wie ſchnell geſundete ich am Frühlingslicht Deiner Freund⸗ ſchaft! und daß Du Deine ſchon erſchöpfte Börſe mit mir theilteſt, daß ich durch Dich meinen ſchon die Akkorde der verachtenden Grobheit anſchlagenden Wirth, und den krummbeinigen Quackſalber Barthold und den hungrigen Apotheker los ward, vergeſſe ich Dir nie, und würden mir Methuſalems Jahre vom Himmel beſcheret.—
Und die ſchönſte Stunde unſerer Freundſchaft vergiſſeſt Du? verſetze Erich mit Wärme und im Fortwandeln ſeinen Arm um des Freundes Schulter legend; gedenkeſt nicht des Morgens, wie Du mich in die Peterskirche führteſt, und Bramante's und Angelo's Titanenbau mich zu erdrücken drohete, und ich, betäubt von dem Eindrucke der zahlloſen Kunſtwerke dieſes wahrhaft göttlichen Got⸗ teshauſes, mich an Dich lehnen mußte, und der Schwache den Starken an die Luft führte mit liebender Sorge? Da, unter Bernini's Porticus, da, unter dem Bilde des Gottſohnes, welcher Petrus befiehlt, ſeine Heerde zu hüten, fielen wir uns ohne Vorwort, von gleichzeitigen, überwallenden Gefühlen getrieben, in die Arme, ein heißer Kuß einte unſere Lippen, und ohne Frage oder Abrede tönte gleichzeitig das Du der Bruderliebe von ihnen. O, es war eine ſchöne Stunde, und Bernini's Basrelief ſteht ihretwegen von allen Meiſterwerken Ita⸗ liens immerdar am deutlichſten vor meiner Seele!—
Es war eine ſegensreiche Stunde, ſetzte mit tiefer Empfindung Sutel hinzu, und ich meine für uns Beide,
———————
—
S——— 2


