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heute mit die Urſache meiner Verſtimmung, die Urſache des Räthſels, welches mein Kopf nicht zu löſen weiß. Ich habe kein Geheimniß vor Dir, Du lagſt ja mit mir an einer Mutterbruſt, und theilteſt mit mir die Mutterthränen, welche der Mangel dem Auge entlockte, das uns zuerſt mit Liebe angeblickt. Du weißt, wie ich mit vielem Gelde den weißen Marmorblock herſchaffte von Italiens Küſte, wie ich Beatricens Büſte in der Geſtalt der jugendlichen Hebe daraus fertigte. Ebenfalls weißt Du auch, wie ich auf dem Grabmale, als ſymbo⸗ liſche Statuen, die Fides und die Spes angebracht, und in der Hoffnung die Geliebte, in dem Glauben das Bild der Schweſter zu verewigen trachtete. O Du weißt auch, wie ich zum ſchneeweißen Marmor, zu meiner Hebe flüchtete, wenn der graue Sandſtein mir Widerſtand leiſtete, und Beatricens Züge in den feinſten Schlägen ſich nur grob und unzart herausheben wollten. Jetzt ſah ich Erichs Cäcilia; auch er hat denſelben Vorwurf gewählt; auch er hat den Kopf ſeiner Heiligen der Jung⸗ frau meines Herzens entwandt, hat ihn ausgeſtattet mit allem Farbenſchmelz, mit jeder Ueppigkeit der beweglichen Tinten, und wenn ſie ſeine Arbeit und mein kaltes Werk vergleicht, werde ich wie ein Stümper daſtehen, und beſtochen vom bunten Glanz wird der Jeremias jämmer⸗ lich in ihrer Achtung ſinken.—
Närriſcher Menſch, lachte jetzt Antonia, ſie liebt Dich und nicht Deine Steinbilder. In ihr Herz blickte ich tief, und Du darfſt mir glauben, wenn wir Mädchen lieben, ſehen wir nur den Mann; und ich weiß, ich hätte dem Erich gut werden müſſen, und hätte er nur als Stadtwappner dort gegenüber vor des Konſuls Thür im blauen Wammſe Schildwacht geſtanden.—


