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reicher Erbe, und ihm darf die Kunſt nur eine Geliebte ſein und keine miterwerbende Hausfrau. Ein Grab⸗ ſtein iſt mein erſtes Werk im Vaterlande. Ich hätte es nicht übernehmen ſollen. Die Arbeit iſt voll trauri⸗ ger Vorbedeutung.—
Bruder, lieber Bruder, ſo bewegt ſah ich Dich nie! fiel Antonia ein, ſich ängſtlich an den Bildhauer ſchmie⸗ gend. Und wie kannſt Du mein armes, furchtſames Herz ſo grauſamlich quälen? mußteſt Du denn nicht dem Wunſche Deines guten Pflegvaters Genüge leiſten?—
Sich beſinnend ſtrich Jeremias die herabgefallenen, blonden Locken von der Stirn hinter die Ohren und holte, ſich erſtärkend und faſſend, tief Athem. Ja, an ihn ſollte ich denken, nichts als an ihn! ſprach er mit feſter Stimme. Meine Arbeit iſt ja das Opfer meiner Dankbarkeit, wenn ſie mich auch mit Ketten belaſtet, ſchwer wie jene des verurtheilten Prometheus, des un⸗ glückſeligen Himmelſtürmers. Uebel doch, daß der liebe Wohlthäter mich und meinen Ruhm ertödten wird durch das erſte Werk, das ich vor meinen Landsleuten aus⸗ ſtelle. O, wer nicht ſtand in jenen hohen Tempeln der Kunſt, nicht das Knie bog vor jenen unnachahmlichen Meiſterwerken der Götterſöhne, welche den Fels lebendig zu machen verſtanden, und den Stein zu weichem Sam⸗ metfleiſch wandelten, wie kann der kennen die Geſetze, deren kleinſte Uebertretung die göttliche Kunſt am Künſtler rächt ohne Gnade?— Habe ich mich doch auch gefügt in Herrn Vasmars Willen, habe ihn hingeſtellt in eigner Perſon neben die zwölf Söhne Jakobs, die den Vater in das Grab legen, als den dreizehnten, da er die ge⸗ fährliche Zahl nicht ſcheuete, mit der ich ſeinen Wunſch zurückzuſcheuchen verſuchte. Aber ſo oft ich nun vor mein


