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getödtet zu haben, und jammernd mühete der Bruder mit mir ſich um die Arme.
11.
Ja, meine Agnes, die Tugend unſerer Mutter erhielt dem Sohne das Leben, die Tugend der Mutter, der längſt zu Aſche Verfallenen, wirkte wohlthätig aus dem Grabe fort für das Glück ihres geliebten Sohnes. O wandele hin zu dem Raſenhügel, der die Herrliche deckt, und bringe ihrem Staube den Dank ihres Moritz, und kniee für ihn auf der heiligen Stätte.
Wohl wirſt Du Dich noch jener Tage erinnern, wo die lange Wagenreihe voll lebendiger Leichen, der ent⸗ ſetzlichſte Grabeszug, den ich je geſehen, durch unſere Stadt fuhr. Du kannſt nicht vergeſſen haben, obgleich Du noch in Kinderfurcht Dich an die Mutter hingeſt, wie das Bauernvolk die unglücklichen Flüchtlinge mit rohen Fäuſten von den Wagen ſchleifte, und mitleidslos auf dem kalten Straßenpflaſter liegen ließ, bis anderes Fuhrwerk mit feindſeliger Trägheit aufgeboten worden, um die bejammernswürdigen Reiſenden weiter zu ſpedi⸗ ren. Bei uns Männern blieb das Mitleid nicht rein; Schadenfreude und Haß beſchmutzten das Gefühl, denn wir ſahen in dieſen Geſchlagenen nur eine Pharaos⸗Rotte, welche Gottes Hand getroffen, ſahen in den Verſtümmelten nur Knechte des Tyrannen, welcher uns Hab und Gut, Ehre und Sicherheit, die höchſten Güter des Lebens alle geraubt, und triumphirend dachten wir: Vergeltung!— Das Weib kennt keinen Nationalhaß, weiß nichts von Völkerzwiſt; ſeine Ehre iſt eine zartere, welche unbefleckt bleibt unter jedem fremden Druck, ſo lange die Veſtalin ſelbſt die heilige Flamme bewacht; das Weib gehört der


