—
463
Anſtalten zu ſeinen Martern anfieht, die fliegenden Pfeile mit tapferer Bruſt auffängt, die ſchwere Mordaxt ſchwin⸗ gen ſieht um ſeinen Nacken, aber ohne Grauen ſelbſt ſein kriegeriſches Todtenlied anſtimmt, und der grimmen Feinde Wuth durch Aufforderung und verachtende Luſtig⸗ keit anſpornet. Ich gedachte der Heimath, der theuern Schweſter, aller derer, die mir wohl gethan, und nahm Abſchied von Allen gleich einem Sterbenden. Als der Zeiger meiner Uhr den nahen Verlauf der ſechsten Stunde anzeigte, ſtand ich auf mit einem langen, freien Athem⸗ zuge, welcher das Herz gänzlich erleichterte. Ich küßte leiſe Eulaliens Hand, ihre Stirn, ihre ſchönen Locken und ſagte und betete halblaut: Schlafe ſanft und tief, ſüßer Engel, daß die ſchreckliche Stimme der Rachſucht Dich nicht erwecke und den Gottesfrieden ſtöre, der ſchon Deine fromme Seele umfängt. O du ewige Vorſicht, iſt die ſchwere Stunde nicht abzuwenden, ſo wirf all ihr Weh auf mich allein, und laß an Ihr den Kelch vor⸗ übergehen.—
Jetzt wurde es plötzlich laut im Nebenzimmer. Ich hörte das Fallen einer metallenen Säbelſcheide auf den Fußboden; Croiſillons bedächtige Stimme predigte, die kreiſchende Rede der Demviſelle Sarotte übertönte ihren Freund. Der Bruder war da.——
Was ſchonen, was zaudern? rief er im tiefſchallen⸗ den Zornwort. Ich bin der Herr unter dieſem Dache, ſelbſt der König würde meine Rechte ſchützen und ehren. Iſt nicht des Unglücks und Schimpfs genug über uns ge⸗ kommen durch der Eltern jähes Ende, mußte Eure Feig⸗ heit auch noch den deutſchen Erbfeind einlaſſen, daß er ſich zerſtörend einfreſſe im Mark des Stammes, dem das Schickſal den Gipfel gebrochen?—


