Teil eines Werkes 
8 (1843)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

d*

405⁵ ich mir den Tod ſuchen werde, lieber gebe ich ſie dem Schickſale und dem Herrn des Schickſals. Euer Vater war Diener des Emirs; ſein Stand ſchützt ihn vor Andern; nehmet denn Zittah zur Schweſter, bis die Looſe geworfen ſind, ſchwarz oder weiß.

Und Du? fragte Luzia das ängſtlich athmende Tür⸗ kenmädchen. Liebſt Du dieſen, den Fremden? Und haſt Du Vater und Hoheit vergeſſen? Zittah antwortete nicht, ſie legte ſich feſter an Luzia's hohe Bruſt, und reichte rücklings dem Braunſchweiger das feine, ſchnee⸗ weiße Händchen. Die Beiden im Bogenfenſter ſahen dem verwundert zu, und der Armenier ſprach halblaut, halb lächelnd, halb ernſt: Und ſie wird Vater und Mutter verlaſſen, und an dem Manne hangen. O, der alte Geſetzgeber verſtand ſich auf die Menſchennatur!

Du haſt mir wohlgethan, Zittah! ſagte jetzt Luzia ſogleich entſchloſſen; Deines Vaters Palaſt nahm ſo oft freundlich die Jüdin auf, Dein Herz freundlicher das arme Mädchen. Ich will theilen mit Dir jetzt, was ich habe. Schon mit der Dämmerung verlaſſen wir die Stadt, mein Verlobter und ich; der Vater befiehlt es. Ein geheimer Ausgang durch die römiſche Waſſerleitung, den Wenige kennen, Keiner in ſo ſtürmiſcher Stunde be⸗ denken wird, führt uns verſteckt, weit aus der Stadt in das Feld, faſt bis zum Ufer des Skirtos; als Pilgrimme eilen wir dann nach Weſten zur Königsſtadt der Väter. Willſt Du theilen die Flucht? Für des männlichen Schützers Muth und Kraft bin ich Bürge.

O, welch ein Himmel thut ſich mir auf, wolkenlos und blau! jubelte Heinrich. Mein gutes Schwert ſchlägt mich heraus, mein braves Roß trägt mich euch nach, und gerettet iſt Ehre und Liebe. Wo iſt der Mann,