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meiner Seele!— Ein wildes Unwetter ſammelt ſich über dieſer Stadt; ſie wird in Trümmer zerfallen über den Leichen ihrer Bewohner, und Edeſſa's Name wird nur bleiben in der Weltgeſchichte. Doch was Tauſenden Unheil gebiert und Tod, wird Dich zum Leben führen und zum Frieden.— Nahe bei Jeruſalem liegt ein Thal zwiſchen Felſen, Joſaphat nennt es das Volk, wir nennen es Friedensthal; durch blühende Narziſſenufer ſchlängelt ſich dort der Fluß Cedron. Silon und Gehenna und Golgatha liegen nahe, alle die ewig heiligen Stätten, wo der Hoch⸗ meiſter des Liebesbundes ging und litt; jener Boden trank ſeinen Leidensſchweiß und ſein edles Blut; jene Felſenwände ſogen des Gottmenſchen milde Klage ein, und flüſtern ewig ſie nun den kommenden Zeiten. In dieſen ſtillen Gründen wohnt eine Brüdergemeinde, Nach⸗ kommen der Eſſener, unter denen auch Johannes ging und Jeſus, jetzt Johannischriſten genannt, welche die Lehre der Liebe rein bewahren, rein, wie die Apoſtel ſie lehrten, rein, wie das Wort ausging vom Lichte. Friedliche Arbeit iſt ihr Tagewerk; Geſpräch der Weisheit im Brüderkreiſe iſt ihre Erholung; Hülfe der Leidenden durch Rath und That iſt ihre Feſtluſt. Ihre Miſſionarien durchziehen die ganze Erde ſtill und fromm, den Geiſtern Licht zu bringen, Aberglauben und Irrthum zu löſchen mit ſanfter, aber kühner Hand, und unbemerkt zu ſammeln den Reichthum fremder Kenntniſſe für die Verbündeten daheim. Die Führer dieſer Familie ſind alt geworden; die kräftige Jugend iſt ausgeſendet, es fehlt an einer Zeder, die ſtattlich ſchattend und ſchirmend ſtände mitten im Bundes⸗ thale. Hermann, Du biſt ein Auserwählter an Geiſt und Herz und Leib! Ziehe hin gen Joſaphat! Die Menſch⸗ heit, ſagteſt Du, ſtieß Dich aus; ſo räche Dich auf das


