Teil eines Werkes 
8 (1843)
Entstehung
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ihrer Lippen in ſeliger Vergeſſenheit der Welt und ihrer Umtriebe zu hangen pflegte.—

So ſaß er auch einſt, ſeine Arme um den wellen⸗ förmigen Grazienleib gelegt, da trat der Armenier Pi⸗ ractos herein. Er war es ſelbſt; Hermann erſchauete freudig den alten Lehrer. Gleich dem Pythagoras deckte ein ſchneeweißes Gewand mit Purpurſäumen den hohen Leib, überwallt vom reinlichen Apoſtelbarte, und um den ſparſam weißbelockten Scheitel kreiſete ſich der goldene Reif. Nur an den rothen Fußbedeckungen erkannte man den Armenier. Hermann ſtreckte ihm freundlich die Rechte entgegen. Der Greis ſtand ſtutzig, als trauete er den eigenen Augen nicht. Am Tode glaubte der Verreiſete Dich, ſprach er, und nun findet er Dich——

Schlürfend vom reinſten Borne des Lebens mit Lebens⸗ muth und Lebensluſt! fiel der Jüngling ein mit feurigem Ausruf, und neigte ſein Geſicht zu Luzia's Lockenkopfe.—

Trinke Dich ſatt! lächelte Piractos. Für die Jugend iſt die Liebe, wie der Wein für das Alter; aber dann putze eilig den Roſt vom Schwerte und Panzer. Deine Ritterpflicht ruft, und ſchon zieht Nureddin heran wie eine vernichtende Heuſchreckenwolke, Todesgericht und alle Gräuel des Rachedurſtes werfend auf dieſe Stadt. Rüſte Dich, Frankenheld, zu ſchirmen nach Pflicht gegen die Ungläubigen dieſe Vormauer Paläſtina's, dieſes erſte Thor zum Grabe des Erlöſers.—

Hermann ſchüttelte ſanft das blonde Haupt. Vater, ſagte er ruhig, Du kennſt ja keine Ungläubigen und keinen Unglauben. An doppelter Wundung bin ich wundkrank, und kann nicht mehr fechten nach chriſtlicher Ritterſitte. Der Balken, der die Hand zerquetſcht, hat wie eine ſtarke Gottesfauft mir den Wappenſchild und das Kreuz herab⸗