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Friſch wie der junge Morgen, blühend wie ſein Ro⸗ ſenſaum, trug ihr Antlitz die Züge der jungfräulichen Mutter; glänzend wie Adlerfittich floß das gelöſete Haar reich und dicht und lang in dunkeler Wolke um die Schwanenweiße des vollen Halſes und der leichtbedeckten Bruſt; der halbgeöffnete, zarte Mund glich der Roſen⸗ knospe von Saron, welche weiße Thauperlen in ſich ſchleußt, und über die milchweißen Zähne liſpelte ein ſüßes Traumwort hervor, dem das lächelnde Grübchen der runden Wange die unfehlbarſte Bedeutung gab. Stier ſchauete der junge Mann hinüber; wohl fühlte er die Gefahr des Blicks, fühlte die Kraft des ernſten Schick⸗ ſalſpruchs: Die, oder Keine für Dich! in der zweiten Sekunde des Anſchauens; aber wie Geneſungstrank ſog er dennoch das Gift der ſchnellſten, heftigſten Liebe ein, und der Gedauke: Es iſt Luzia! es iſt dieſelbe, welche heute dir ihr Herz aufſchloß, als ſie dich ſinnlos glaubte! machte das Gift der Sehnſucht und des Begehrens zu Nektar und Götterwein.
Jetzt ſchlug ſie die Augen auf, erſchreckt über den Tag, der ihr vorgeeilt. Sie ſah um ſich, auch zu ihm her, den ein ſchattender Pfeiler verdeckte. Langſam er⸗ hob ſie ſich; die weißen Hände flochten das ungehorſame Haar mit Mühe in dicke Flechten, und befeſtigten es auf dem Scheitel; gebeugt nach vorn, die Fülle der ſchön⸗ ſten Bruſt dem Auge des Beſchauers darbietend, ſchloß ſie dann die ſeidenen Sandalen an den zierlichſten Fuß, und nun ſtand ſie aufrecht vor der Ottomane, eine alt⸗ griechiſche Göttin, ſchlug die ſchwarzen Augenſterne groß und rund ihm her, in denen junoniſche Hoheit mit dem kindlichen Liebreiz einer Hebe verſchmolzen war. Er ſenkte ſeine Augen zu, wie geblendet von der Mittags⸗


