Druckschrift 
Die Frauen und ihr Beruf : ein Buch der weiblichen Erziehung / in zusammenhängenden Aufsätzen niedergeschrieben von Frauenhand
Einzelbild herunterladen

102

werden, die nur zu häufig, außer der Kenntniß ihrer Mutter⸗ ſprache, die kraſſeſte Ignoranz mitbringen.

Kann ein Mädchen ſich für ihre älteren Jahre einen beſſe⸗ ren Wirkungskreis wünſchen, als das Lehren an einer ſolchen Anſtalt, die freilich bis jetzt noch ein frommer Wunſch iſt, aber jeden Tag in's Leben gerufen werden könnte, ſobald ſich die nöthigen Kräfte dazu vorfinden?

Welche weiteren Perſpeetiven weiblicher Wirkſamkeit ſich dann noch eröffnen müßten, um ſolche Lehrerinnen heranzu⸗ bilden, können wir hier nicht weiter ausführen; indeß können die nöthigen Kenntniſſe, außer derjenigen fremder Sprachen, auch im engſten Familienkreis und in aller Stille erworben werden. Sie würden es um ſo leichter, wenn das Mädchen bereits die tüchtige Schule durchgemacht hat, welche wir für daſſelbe wünſchen.

Von der ſchönwiſſenſchaftlichen Thätigkeit, welche einem Mädchen, das in unabhängigen Verhältniſſen lebt, möglich iſt, brauchen wir hier nicht weiter zu reden, aber ſie füllt das Herz nicht immer ganz aus, und ſo gibt es grade für ein Solches neben dem bloßen Eifer der Wohlthätigkeit noch eine Wirkſamkeit, welche gewiß Berückſichtigung verdient. Wir meinen die Sorge für unſere ärmeren Mitſchweſtern, die häufig eben ſo ſchwer als wir unter dem Fluche einer ſchlechten oder gar keiner Erziehung leiden. Deren Loos können wir der ge⸗

bildeten und vermögenden Frau nicht genug an's Herz legen, denn wie traurig iſt daſſelbe oft! Ganz auf mechaniſche Arbeit angewieſen, iſt es ihnen häufig unmöglich, dieſe in ihrer dürftigen und beſchränkten Häuslichkeit, wo alle Mittel dazu fehlen, gut

ſei

n