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Die Frauen und ihr Beruf : ein Buch der weiblichen Erziehung / in zusammenhängenden Aufsätzen niedergeschrieben von Frauenhand
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Man ſage dem Mädchen, wie man es dem Knaben ſagt, von früheſter Jugend an: Du darfſt nicht bloß Blume ſein, welche gedankenlos ihren ſüßen Duft ausſtrömt, ſondern du ſollſt zur Frucht werden, daran die Welt Theil und Gewinn hat. Die Geſammtheit hat ein Anrecht an dich, ſo gut wie an den Mann, erfülle es auf deinem Gebiete und du biſt ein eben ſo nützliches Glied der Geſellſchaft, als er. Wo kann nun dieſes Gebiet anders liegen, als in der Erfüllung der häuslichen Pflichten in ihrer vollſten Ausdehnung, als in dem Berufe der Frau als Mutter und Erzieherin?

Aber ſo wie jede Pflanze ihr beſtimmtes Erdreich braucht und nur als deſſen höheres Produect erſcheint, ſo muß die ganze erſte Bildung des Mädchens darnach ſtreben, den Boden vorzubereiten, auf dem die eigenthümliche Blüthe der Weiblichkeit ſich entfalten kann. Aber dieſer Boden liegt nicht dort, wo der Flugſand der Oberflächlichkeit ſich ausbreitet, ſondern auf dem Felſen der Pflicht und des Ernſtes, wo die männliche Erziehung meiſtens wurzelt, muß er geſucht werden. Die wahre und ganze Ausbildung einer Frau iſt wahrlich nicht leicht; aber ſie wird zu läſſig begonnen und zu frühe abgebrochen. Kein Wunder, daß eine Maſſe von unfertigen Geſchöpfen entſtehen muß, die in keiner Hinſicht etwas leiſten können, weder in den Vorkommniſſen des Haushalts, noch in geiſtiger Rich tung, und doch beruht einzig und allein auf deren Verbindung die Möglichkeit der Erfüllung des weiblichen Berufs nach allen Seiten hin.

Wie können aber die moraliſchen Tugenden

des Men⸗ ſchen ſich harmoniſch entwickeln ohne die Bildung des Geiſtes