Teil eines Werkes 
1. Theil (1862)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

M

233

an Bedeutung, an Form und Ausdruck noch mehr. Noch nicht von Ermüdung eingeſunken, noch nicht vom Schmerze getrübt, lag in dem Blicke jenes elementare Leben, das ſich unmöglich in genauer Analyſe beſchrei⸗ ben läßt. Der Mund machte Gregor weniger Schwie⸗ rigkeiten, ſchien ihm ſogar unbedeutend; er ſah auf den erſten Blick nur Lippen, die bis jetzt nur die Beſtim⸗ mung kannten: zu lachen, zu ſcherzen und zu ſprechen, die noch nicht geſchmollt, nicht geküßt und nicht gezittert hatten unter dem Einfluſſe der Leidenſchaft, und folglich des feinſten, geheimnißvollſten Reizes, nach Gregor's Anſicht, entbehrten. Einige Minuten konnte wohl ſeine Beobachtung gedauert haben, als eine raſche Kopf⸗ bewegung des Mädchens bezeugte, daß ihre Aufmerk⸗ ſamkeit auf einen andern Punet ſich richtete. Sie er⸗ hob ſich leiſe von ihrem ſteinernen Sitz und horchte ſeit⸗ wärts. Aus dem grünenden Buſchwerk flatterte in kurzem, geſehten Flug ein kleiner Vogel quer über den Weg. Das Thierchen konnte ſich nicht frei erheben und war t von Jrenen's gelöſter Mntl lle bedeckt, gefangen. Eine ländliche Sentimentalität, ſpottete Gregor, ſie wird den jungen Spatz aufzichen, um ihm dann großmüthig die Freiheit zu ſchenken; aber bald ſollte er in ſeinen Vermuthungen unangenehm getäuſcht werden. Nachdem ſich Irene kurze Zeit mit dem gefangenen