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Der Obrist von Carpezan / von Ernst von Brunnow
Entstehung
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Den Teufel auch, antwortete Schlammersdorf erſchrocken,das iſt ein gefährlicher Handel! Dazu gehoͤren Beweiſe, ſonſt bricht einem der Carpezan den Hals. Geredet iſt freilich viel uͤber ſie worden; erſt wegen unſers Herrn Grafen von Mannsfeld Erlaucht, dann wegen des kleinen blonden Schweizers Glarens, mit dem Carpezan vor Budweis ſo kurzen Prozeß machte, dann wegen des Koͤnigs von Boͤhmen Majeſtät, und jetzt wieder wegen des luftigen ſchwarzlockigen Franzoſen. Aber das Alles iſt doch nur ſchwankendes Geruͤcht; wo ſind die Beweiſe?

Ich habe ſie, und ihr ſollt ſie auch haben, ent⸗ gegnete Duͤſterloh mit Beſtimmtheit.Waͤhrend des Obriſten haͤufigen Abweſenheiten im Hauptquartier ſchlich ich mich oft in den Schloßgarten, hoffend, daß ich das zärtliche Pärchen doch einmal überraſchen wuͤrde. Tagelang lauerte ich vergebens in den Ge⸗ buͤſchen; endlich aber bin ich ſchon mehrmals ſo glücklich geweſen, beide ganz in der Nähe zu be⸗ lauſchen, ihre Liebesſchwuͤre mit eigenen Ohren zu hoͤren, ihre Umarmungen mit eigenen Augen zu ſehen. Fuͤr blankes Gold hab' ich darauf Ludmilla's Zofe geſchwaͤtzig gemacht und Alles erfahren, was ich wuͤnſchte.