105
tiſchen Sinn gefallen ſollte. Des Heldenkoͤnigs von Boͤhmen hingebende Freundin zu ſein, ihn durch ihre Liebe zu des Vaterlandes Rettung zu entflammen, hatte ihr groß und herrlich geduͤnkt. In den Armen des zag⸗ haft unkoͤniglichen Friedrich, der lieber genießen, als ſtreiten wollte, erſchien ſie ſich nur als fuͤrſtliche Buhle⸗ rin.— Seitdem war ſie oft gegen den Koͤnig kalt und abwehrend; aber dieſer machte ihr dann ſtets ſo zärtlich bittende Vorwuͤrfe, daß ſie immer wieder geruͤhrt zu dem gewohnten traulichen Verhaͤltniß zuruͤckkehrte. Bis⸗ weilen dachte ſie auch an die Moͤglichkeit einer Wieder⸗ kehr ihrer Liebe zu Carpezan; bald aber ſchauderte ſie vor dem Gedanken daran zuruͤck, denn jene einſt ſo gluͤ⸗ hende Liebe erſchien ihr jetzt wie ein eiskalter Leichnam. So lebte ſie in fortwaͤhrendem Zwieſpalt mit ſich ſelbſt.
Inzwiſchen ruͤckte das große politiſche Drama ſei⸗ ner Entwickelung immer näher. Schon ſtreifte die boͤh⸗ miſche Reiterei bis vor die Thore Wiens, wo der Kaiſer ſich mit ſeiner tapfern Garniſon und treuen Buͤrgerſchaft bis aufs Aeußerſte zu vertheidigen beſchloſſen hatte. Von der andern Seite hielt Bethlen Gabor mit ſeinen Siebenbuͤrgern und Ungarn die Hauptſtadt einge⸗ ſchloſſen. Aber der Schutzgeiſt des Hauſes Habsburg war wach. Ploͤtzlich wurde Gabor durch einen von


