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Der Obrist von Carpezan / von Ernst von Brunnow
Entstehung
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erſtaunt, daß ſie noch athmeten und noch mehr, daß ſie weder Arm noch Bein gebrochen hatten. Doch hier galt es kein langes Beſinnen. Unter den Piſtolen⸗ ſchuͤſſen der Deputirten entrannen ſie eiligſt aus dem Graben und fluͤchteten ſich gluͤcklich nach Wien.

Wie Blitzfeuer lief das Geruͤcht von der unerhoͤrten Gewaltthat durch das ſtaunende Prag. Die Proteſtanten jubelten, die ſchwaͤchere Partei der Katholiſchen war eingeſchuͤchtert. Alles gerieth in die lebendigſte Auf⸗ regung. Ludmilla und Editha ſchauten neugierig aus einem Fenſter ihres Hauſes auf die hin und herwogenden, unruhigen und lärmenden Volksmaſſen. Da kam ein Theil der vom Hradſchin zuruͤckkehrenden Deputirten unter Carpezans Anfuͤhrung die Straße herabgeritten.

Eriſt es! ſprach Ludmilla freudig zur Schweſter.

Ritter Carpezan lebe hoch! ſchrie das Volk aus voller Kehle und ſchwenkte die Huͤte vor dem gefeierten Vertheidiger ſeiner Freiheit.

Heil dem edeln Carpezan! rief Ludmilla, im ſchwaͤrmenden Wonnegefuͤhl ſeines Ruhms die mädchen⸗ hafte Zuruͤckhaltung vergeſſend.

Am Abend dieſes denkwuͤrdigen Tages es war der 23. Mai 1618, womit die lange blutige Reihe von

dreißig ſchreckensvollen Kriegsjahren fuͤr Deutſchland