Druckschrift 
Der Obrist von Carpezan / von Ernst von Brunnow
Entstehung
Einzelbild herunterladen

21

der Rechte fuͤr beide Religionen feſt. Es verſteht ſich alſo von ſelbſt, daß die proteſtantiſchen Unterthanen katholiſcher Gutsherrn oder Praͤlaten ſich auf ihre Ko⸗ ſten nach Belieben Kirchen bauen duͤrfen, um Gott nach ihrer Weiſe zu verehren, denn ſonſt haben ſie keine Ge⸗ wiſſensfreiheit.

Hoͤrt, hoͤrt, es iſt ja ſonnenklar, die Gewiſſens⸗ freiheit und die Verfaſſung ſind gefaͤhrdet! ſchrieen Viele zugleich.

Weg mit dem roͤmiſchen Kauderwelſch der juri⸗ ſtiſchen Federfuchſer! Wir ſind freie Boͤhmen und gehen mit dem Saͤbel in der Fauſt gerade hindurch, ſei es bis vor die Kaiſerburg zu Wien!

Ja, mit dem Säbel in der Fauſt, füͤr Boͤhmens Freiheit und Unabhaͤngigkeit!

Carpezan frohlockte im Stillen uͤber die feuerzuͤn⸗ dende Kraft ſeiner Worte, als ſich ploͤtzlich die Thuͤr⸗ fluͤgel nach der anſtoßenden Zimmerreihe oͤffneten und die von Silber⸗ und Krhſtallgeräthen im Kerzenſchimmer ſtrahlende Feſttafel in der Ferne ſichtbar wurde.

Bei Tiſch das Weitere, ihr Herrn, ſprach der Hausherr, die Gäſte zum Mahl geleitend.

Ludmilla und Editha empfingen die vom Streit erhitzten Deputirten mit holdſeliger Freundlichkeit und