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Der Obrist von Carpezan / von Ernst von Brunnow
Entstehung
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Wie du nur biſt, verwies Ludmilla, ſich ſtolz aufrichtend,uns kuͤmmert's wohl. Sind wir nicht freie Boͤhminnen? Handelt es ſich nicht um die Ehre und die Rechte unſers Volks, um die Freiheit unſerer Gewiſſen? Bohemia iſt eine koͤnigliche Jungfrau, die ihren Nacken nimmer unter das oͤſterreichiſche Joch beugen ſoll! Laß uns die Maͤnner belauſchen.

Sie wollte die Thuͤr des Nebenzimmers oͤffnen, doch umſonſt, ſie war verſchloſſen.Verdammt, rief ſie, mit dem kleinen Fuße ſtampfend,der Riegel iſt von draußen vorgeſchoben.

Ha, ha, das iſt dir ſchon recht, Fraͤulein Neu⸗ gier! lachte die muntere Editha.

Ludmilla legte das Ohr an die Thuͤr und horchte mit geſpannter Aufmerkſamkeit.Ach, das iſt Carpezan's maͤnnlich hallende Stimme! rief ſie freu⸗ dig.Ich vernehme deutlich ſeine Worte und will ſie ihm nachſprechen:Die Exiſtenz der proteſtantiſchen Religion in Boͤhmen, ja Boͤhmens ganze Verfaſſung und Freiheit ſtehen auf dem Spiel, wenn wir nicht raſch und kraͤftig gegen unſern Zwingherrn einſchreiten. Unſere Statthalter ſind es beſonders, die uns beim Hofe zu Wien anſchwärzen und den Feuerbrand gegen uns ſchuͤren. Gegen dieſe zunächſt muß unſer Angriff