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Ein Tagebuch : vier Theile / von Friederike Bremer
Entstehung
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215 Außer Stande, ſich länger zu beherrſchen, rief Flora in Wuth:„Niedriger, boshaſter, abſcheulicher St. Orme!“ „Alſo er iſt es?“ ſagte Lennartſon mit flammenden Blicken,„er iſt der Friedensſtörer! Lange ſchon habe ich

es geahnet. Und nun, Flora, nun will ich wiſſen,

welch' ein Recht, welchen Grund er zu dieſem Benehmen hat. Dieſe Stunde muß unſre Verbindung trennen, oder— für immer befeſtigen. Ich habe Dich mehr als einmal um Dein volles Vertrauen gebeten, ja darum

gefleht, heute muß ich es fordern!“

„Du ſollſt Alles erfahren,“ rief Flora entſchloſſen— „und ſollſt mein Richter ſeyn. Aber, oh Lennartſon be⸗ denke, daß auch Gottes höchſte Gerechtigkeit— Barm⸗ herzigkeit iſt.“— Lennartſon antwortete nicht. Ernſthaft ſaß er da und ſchien ihr Bekenntniß zu erwarten.

„Nun, wohlan!“ rief ſie, ſich gewaltſam zuſammen⸗ raffend, aus—„ſo ſey denn Alles geſagt! Dieſer St. Orme widmete mir, als er vor fünf Jahren in Stockholm war, ſeine Huldigung und erlangte— eine gewiſſe Gewalt über mich. Seine dreiſte Sicherheit, ſeine Talente, ſeine Gaben, die ich damals für ganz außergewöhnlich hielt, machten Eindruck auf mich. Ich glaubte, ihn zu lieben. Er mißbrauchte meine Blindheit, meine Unerfahrenheit, um mich zu einem heimlichen Briefwechſel zu verleiten, zu dem Verſprechen einer ewigen Liebe und dergleichen. Die Verſprechen jedoch, die er mir machte, zu er⸗ füllen, kümmerte St. Orme wenig. Ich war damals arm und er verließ mich, um nach Paris zu reiſen, von wo ich lange Zeit nichts von ihm hörte. Inzwiſchen lernte ich Dich kennen, Lennartſon, und fühlte, was wahre Liebe iſt. Ich glaubte mich von St. Orme ver⸗ geſſen, und vergaß auch ihn und' mein kindiſches, thörich⸗ tes Verſprechen. Ach! ich vergaß die ganze Welt, als Du Lennartſon mir Dein Herz anboteſt und das Leben in neuer Schönheit vor mir aufging. Aber ich war reich geworden, St. Orme kehrte zurück und machte