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alte Jungfern werden, ſo werden wir vielleicht eben ſo moraliſch und tugendhaft, wie Du.“
Ich ſchwieg. Denn was würde es genützt haben, hätte ich auch geantwortet? Als meine Stiefmutter wieder eintrat, entfernte ich mich unbemerkt und ging auf mein Zimmer. Ich war unruhig.„Selma iſt nicht, wofür ich ſie hielt,“ ſagte ich und blickte zu den ſtrahlenden Sternen empor, die aus dem tiefen Blau hervorzutreten begannen und dachte an die Sterne, die ich in Selma's Augen leuchten ſah, und trauerte über ihre Verdunflung.
Ich war noch nicht lange allein, als leiſe Schritte die Treppe heraufhüpften. Meine Thüre öffnete ſich und — Selma lag in meinen Armen.—„Biſt Du böſe auf mich?“ fragte ſie.—„Nicht mehr, meine gute Selma!“ ſagte ich, gerührt von ihrer Innigkeit.
„Aber Du biſt böſe, biſt unzufrieden mit mir ge⸗ weſen, und gewiß mehr als einmal. Nicht wahr?“
Ich gab es zu, und ſagte ihr, wie ich fürchte, Flora möchte ſie zu einer unedlen Tadelſucht und Härte ver⸗ leiten, und daß es mir ſehr weh thue, dunkle Flecken in ihrer Seele zu ſehen. Ich ſprach ernſte Worte über die Tadelſucht in Kleinigkeiten, die für das Größere und Ver⸗ ſöhnende blind mache; über die Richtung des Geiſtes, Andre herabzuſetzen, um ſich ſelbſt zu erheben. Ich ward von meinem Gegenſtande ſo ſehr fortgeriſſen, daß ich ſtrenger ward, als ich gewollt hatte, und dieſe Richtung als Phariſäismus verurtheilte. Ruhig hörte mich Selma an, ward aber zuſehends ernſthafter und blaſſer.
„Du haſt Recht,“ ſagte ſie endlich;„gewiß haſt Du ſehr Recht. Ach! ich habe ſo wenig mich ſelbſt beobachtet, bis jetzt ſo wenig nachgedacht;— Alle ſind ſo gütig gegen mich geweſen, und haben mich dadurch verdurben. Sage mir meine Fehler, Sophie! Ich will mich ändern. will mich beſſern!“—„Aber Du mußt nicht weinen, Selma.“—„Ach! was macht das, wenn ich weine? Thränen müſſen ja die häßlichen Flecken in der Seele
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