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Ein Tagebuch : vier Theile / von Friederike Bremer
Entstehung
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Orme

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„Warum räthſt Du mir nicht lieber zu Roth. Roth iſt ja Deine Leibfarbe, Purpurroth; iſt es nicht ſo; oder erinnere ich mich nicht recht?“—„Ich kann mich nicht erinnern,“ entgegnete Flora ſcheinbar gleichgültig, während ſie aufſtand und Purpurröthe ihr Geſicht bedeckte.

„Aber ich erinnere mich,“ erwiederte St. Orme. „Purpurroth iſt Deine Farbe und darum— meine Herren, Sechs Stiche in Coeur. Das Spiel hoffe ich zu gewin⸗ nen,“ ſetzte er hinzu, der hinausgehenden Flora zunickend. Sie kam bald wieder herein, aber ihre heitre Lgune war weg und ihre Munterkeit während des übrigen Theils des Abends erzwungen.— Beim Weggehen hörte ich St. Orme halb ſpottend zu Flora ſagen:

„Dank für Deinen Rath, liebe Couſine. Ich gewann mein Spiel, und mit Deiner Farbe auf meinem Herzen hoffe ich es auch künftig zu gewinnen.“

„Da könnteſt Du Dich leicht verrechnen,“ entgegnete Flora unmuthig.—„Trotze mir nicht,“ ſagte St. Orme halb im Scherz, halb im Ernſte. Und er faßte ihre wider⸗ ſtrebende Hand und verbeugte ſich lächelnd vor ihr.

Was mochte dies zu bedeuten haben?

Den 16. Nov.

Ich ging heute allein aus, einzig mit mir ſelbſt mich unterhaltend. Zu Hauſe traf ich Fremde, worunter den Hofmarſchall, der mit meiner Stiefmutter gewiſſe tele⸗ graphiſche Zeichen wechſelte.

Flora lebt nur in ihrem Masken⸗Coſtume und in dem Gedanken an den Ball bei Miniſter.. Wie viel Mühe für— einen Abend!— Viele Projekte zu Bällen und andern Vergnügungen. Ich meinestheils ſage zu Allem: „Nein,“ und behaupte, ich ſey zu alt zum Tanzen.

„Hm, hm,“ ſagt artig widerſprechend meine Stief⸗ mutter.— Der Neuzahrsgeſellſchaft denke ich jedoch bei⸗ zuwohnen, weil ich da die Königliche Familie mehr in der Nähe ſehen kann.

Friederike Bremer, Tagebuch. 4