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Ein Tagebuch : vier Theile / von Friederike Bremer
Entstehung
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allen:„man ſagt, man glaubt, man weiß“ der Stadt einen bedeutenden Commerce treiben. Wir machen dies etwas lächerlich, verachten aber doch den Commerce nicht, den wir verhöhnen; denn die beiden Schweſtern wiſſen eine Menge Sachen, und das Fräulein iſt eine aufgeweckte Perſon, deren große ſpionirende Angen ſehr ſcharf und richtig ſehen, und deren Zunge mehr geläufig als ſcharf iſt. Sie habe, erzählte ſie neulich, über neunzig Cou⸗ ſinen, meiſtens Alle von weiblicher Seite.

Den 14. Nov.

Geſtern Abend machte ich die Bekanntſchaft„unſerer Nächſten,“ wie Selma den Kreis der Vertrauten des Hauſes zum Unterſchied von„unſern Entfernten,“ nennt. Als ich, wie gewöhnlich, um halb acht Uhr in das Zim⸗ mer meiner Stiefmutter herunter kam, ſaß Signora Luna in einer Ecke des Sophas, war aber ſichtbar im Abnehmen, was mir auch Selma zuflüſterte, als ſie mich vorſtellte. Die ſchöne Gräfin begrüßte mich ziemlich gleichgültig, doch gefiel mir der Druck der warmen ſei⸗ denweichen Hand.

Die übrige Geſellſchaft beſtand aus ihrem Gemahl, dem Baron Alexander, einem jungen Lientenant Ake Sparrſköld, einer Schweſter Flora's, der Freifrau Bella P., Wittwe und zehn Jahre älter, als ſie, die wir die „Schönheit“ nennen, und die Züge erſter, aber einen Ausdruck zweiter Sorte hat, aus der hübſchen alten Frau Ritterſwärd ſamt ihrer Tochter Hellfride und aus St. Orme und Lennartſon.

Die Unterhaltung kam auf einen neuen, jetzt ſehr beliebten franzöſiſchen Roman, den St. Orme an Flora geliehen hatte. St. Orme rühmte die Kraft der Cha⸗ raktere und die Kühnheit und Pracht des Colorits. Letz⸗ tere hielt der junge Sparrſtöld für falſch, während er in den erſtern Uebertreibung finden wollte.„Jeder menſch⸗ liche Affekt,“ ſagte er,„wird gleich bis zum Wahnſinn geſteigert, und verliert ſo alles Maaß und alles Ziel;