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Ein Tagebuch : vier Theile / von Friederike Bremer
Entstehung
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und wie ſehr ich auch Oppoſition mache, immer gönne ich meiner Stiefmutter das letzte Wort oder den letzten Ton, nämlich das diplomatiſche:„Hm, Hm.“

Die Abende bringt die Familie oft zu Hauſe zu (man ſagt, daß dies auf Neujahr anders wird) und Fe⸗ lir Delphin, St. Orme und Lennartſon ſchließen ſich an. Ich ſehe deutlich, daß der Freiherr ſeine Blicke forſchend auf Flora und St. Orme richtet. Oft däucht es mir, als ob ſich ſein Auge von der glänzenden Effekt ſuchenden Flora weg zu Selma wendete und mit einer gewiſſen zärtlichen Aufmerkſamkeit auf ihr ruhen bliebe. Und ſie— warum ſind ihre Augen bei ſeiner Anweſenheit beſtändig von den langen dunkeln Augen⸗ wimpern beſchattet? Warum vernimmt man da nichts von den heitern Einfällen, den feinen witzigen Bemerkungen, die ihr ſonſt eigen ſind? Doch Flora würde das ſchwer⸗ lich dulden, und ich habe dies an manchem ſtechenden, eiferſüchtigen Blicke bemerkt, der aus Flora's Augen auf ſie blitzte. Auch ich habe meinen Antheil an dieſen Blicken erhalten, dann nämlich, wenn Lennartſon mir einige Aufmerkſamkeit ſchenkte, was, wie ich mit Freu⸗ den geſehen, nicht ſelten geſchieht.

Der Freiherr— nein, keine Beſchreibung von ihm. Bulwer, der ſo manchen tiefen Blick in das edlere weib⸗ liche Gemüth geworfen hat, bemerkt mit Recht, wie gleichgültig einem ſolchen die Schönheit oder Häßlichkeit eines Mannes iſt. Der Ausdruck des Charafters in Mienen, Geberden und Worten iſt es, welcher feſſelt oder abſtößt. Daher kein Wort von des Freiherrn Größe, Wuchs, Haaren, Zähnen und ſo weiter. Ich würde auch nichts Großes darüber zu ſagen wiſſen; aber das weiß ich, daß man den Eindruck, den ſeine Perſön⸗ lichkeit zurückläßt, nicht leicht vergißt und nie zu vergeſſen wünſcht. Man fühlt ſich gleichſam gehoben durch ihn und ſeinen Blick— ja von dem muß ich doch ein Wort ſagen.

Es gibt Angen, in denen man eine verklärte Welt