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Ein Tagebuch : vier Theile / von Friederike Bremer
Entstehung
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Meine Couſine Flora Delphin, die ich hier zum erſten⸗ male ſah, grüßte höſtich und wandte ſich nach einem kurzen und gleichgültigen Geſpräche wieder zu den Herren, mit denen ſie vorher geſprochen hatte.

Heute Abend keine weiteren Bekanntſchaften mehr, meine ſüße Selma! bat ich nun.Ich weiß. daß ich hier mehrere mir unbekannte Verwandte haben muß, aber ich möchte es lieber noch etwas aufſchieben, nähere Bekanntſchaft mit ihnen zu machen.Deſto beſſer! entgegnete ſie,ſo kann ich noch eine Weile allein Dir angehören. Ich tanze dieſen Tanz nicht ich muß mit dir ſprechen. Und als man nun zu einer Frangaiſe das Zeichen gab und Selma's Tän⸗ zer nahte, entſchuldigte ſie ſich bei ihm und ſtellte ihn einer nebenſitzenden jungen Dame vor, die er zum Tanze führte. Darauf ſetzte ſie ſich zu mir, fragte mit lebhafter Theil⸗ nahme nach Dingen, die mich betrafen und erinnerte mich mit einer Stimme voll zärtlicher Rührung daran, wie ich in ihrer Kindheit ſo gut gegen ſie geweſen, ihr Geſchichten erzählt, Spiele und kleine Luſtbarkeiten veranſtaltet hätte und dergleichen mehr, und Alles nur, um ſie zu vergnügen.

Jetzt, Selma, unterbrach ich ſie,mußt Du mir Geſchichten erzählen, aber blos wahre, das verſteht ſich; denn ich bin ganz unbekannt mit der Welt um mich her und möchte gerne in dieſelbe eingeführt werden, oder viel⸗ mehr ſie ohne Beſchwerde von meiner Seite zu mir kom⸗ men laſſen.Ah! da haſt Du Dich gerade an die Rechte gewendet, ſagte Selma mit komiſcher Würde,und um mein Werk als Oberhofmeiſterin zu beginnen, ſo wen ſoll ich die Ehre haben, Dir aus dieſer Verſammlung zuerſt vorzuſtellen?Die ſtattliche Frau dort mit dem ſchwebenden Paradiesvogel im Turban von Silberflor, im ſchwarzen Sammtkleide, die mit Deiner Mutter ſpricht und lacht, eine hübſche Frau! Siekönnte die Königin der Nacht vorſtellen.Sie iſt es auch, entgegnete Selma lachend, Signora Luna, wie wir ſie zuweilen nennen, oderunſre Frau mit den klaren Angen. Sie iſt Staatsdame bei Ihrer Maje⸗ ſtät der Königin, wo bekanntlich die Nacht zum Tage ge⸗