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immer dieſelbe an Ausſehen, Anmuth, ſchöner und geſchmack⸗ voller Kleidung. Ich erkannte die Perlenſchnüre mit Ju⸗ welenſchlöſſern wieder, die ſie um Hals und Arme trug, und die ich in meiner Kindheit ſo gerne küſſen mochte; ich erkannte das ſchöne Angeſicht und die imponirende, aber doch anmuthsvolle Haltung wieder. Sie war noch dieſelbe, die ſie vor zwanzig Jahren geweſen war, wo ſie eine halbe Gottheit in dem prächtigen Reſidenzſaal, wo ſie als Lan⸗ deshauptmännin mit dem Anſehen einer Königin„Cour“ hielt, ja, ſie war noch ganz dieſelbe, die ich damals ſah, und etwas Ausgezeichneteres habe ich ſeither nicht geſehen(ob⸗ gleich ich mich viel in der Welt umgeſehen habe) und werde ich wahrſcheinlich auch nicht ſehen, obgleich— Es war meine Stiefmutter.
Mein Herz klopfte nicht leiſe, als ich ſie langſam der Seite, wo ich ſaß, zuſchreiten ſah, und den Augenblick der Erfennung ahnte. Er kam. Die Blicke meiner Siefmut⸗ ter fielen auf mich: ſie ſtutzte, ſah mich nochmals und mit Aufmerkſamkeit an, ich ſtand auf, ſie eilte herbei und bald umarmten wir einander nicht ohne gegenſeitige Verlegenheit, die jedoch die Ueberraſchung und gegenſeitige Entſchuldigun⸗ gen verdecken halfen. Meine Stiefmutter rief nun:„Selma! Selma!“ Die weiße Sylphide ſchwebte herbei und ich um⸗ armte meine junge Schweſter, erfreut, daß ſie die„weiße Roſe“ war und froh, eine ſo herzliche Freude aus ihren flaren, blauen Augen ſtrahlen zu ſehen, indem ſie erröthend mich willkommen hieß. Unwillkührlich begegneten jetzt meine Blicke denen meines frühern Nachbars, der aus einiger Ent⸗ fernung uns aufmerkſam mit einem ſanften, faſt wehmü⸗ thigen Lächeln betrachtete. Abermal rief meine Stiefmut⸗ ter:„Flora!“ und winkte; aber Flora war in lebhafter Unterhaltung mit einigen Herren begriffen und hörte nicht ſogleich. Selma eilte zu ihr, ergriff ſie am Arm und kam mit ihr zu mir. Ich ſah die„rothe Roſe“, die andere Königin des Balls vor mir. Selma flüſterte:„Sophie! Deine und meine Couſine Flora!“
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