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eines Tages ſehen, was ich jetzt ſehe und erkennen, was ich jetzt in Freude und Dankbarkeit erkenne.“
„Klar und hell liegt jetzt mein Weg vor mir. In Gemeinſchaft mit meinen vielgeliebten Kindern, mit mei⸗ nem Jugendlehrer und Freund, von dem ich hoffe, daß er den Abend ſeines Lebens in meinem Hauſe zubringen wird, werde ich dieſe Gegend in ein Thal des Friedens umſchaffen. Und wenn ich es und ſie verlaſſen muß, ſo möge mit der Erinnerung an mich Friede bei ihnen wei⸗ len. Und nun, du heranrückendes Alter, das bereits kühl meine Stirne angehaucht, du Winterdämmerung des Erdenlebens, worein meine Tage mehr und mehr verſinken, komm und ſei willkommen. Ich fürchte dich nicht mehr, denn es iſt licht und warm geworden in meinem Herzen. Auch unter den körperlichen Leiden und Schmerzen will ich den Werth des Lebens nicht mehr verkennen, ſondern mit offenem Blick für alles Gute auf Erden zu meinen Lieben ſagen:
„Beklaget mich nicht, ich hab fröhlichen Muth, Da in meinem Herzen ein Himmel ruht.“
Als Madame Aſtrid ihre Feder niederlegte und das thränenhelle, ſtrahlende Auge aufſchlug, ſah ſie Harald und Suſanna Arm in Arm ins Thal hinabwandeln. Sie gingen fröhlich dahin, ſchienen aber gleichwohl mit einander zu ſtreiten. Es handelte ſich aber auch um eine höchſt wichtige Sache, nämlich darum, wer von ihnen von heute an das letzte Wort im Hauſe behalten ſollte. Harald behauptete, dieß ſei ſein ausſchließliches Recht, denn er ſei der Herr und Meiſter im Hauſe. Suſanna erklärte, ſie werde ſich um kein alt herkömmliches Recht bekümmern, ſondern gedenke, ſo oft ſie Recht habe, es auch aufs Aeußerſte zu vertheidigen. Inzwiſchen waren ſie unbemerkt an die Quelle, genannt Haderwaſſer, ge⸗ kommen, die ihren erſten Streit mit angeſehen hatte und jetzt, wie damals, von Tauben mit ſilberglänzenden Flü⸗ geln umkreist wurde. Hier ergriff Harald Suſannas
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