52
nung brachte. Sie fuhr hierauf fort, der Paſtorin be⸗ hülflich zu ſein, wo ſie es nöthig fand. Dieſes Benehmen gefiel ſehr; man betrachtete die junge Schwedin mit im⸗ mer freundlicheren Blicken, ſie fühlte dieß und gewann die die ſich ſo freundlich gegen ſie zeigten, immer ieber.
Gegen das Ende des reichlichen und ſchmackhaften Mittagsmahles wurden Geſundheiten getrunken und Lieder geſungen. Suſanna ſtieß rechts und links, geradeüber und ſchrägüber an und von der allgemeinen Fröhlichkeit belebt, ſang ſie ſogar das ſchöne Volkslied mit:
„Das meerumkränzte alte Norweg,“ und ſchien allen Oppoſitionsgeiſt gegen Norwegen und Nor⸗ weger vergeſſen zu haben. Und wie hetzlich ſie nicht in den letzten Toaſt einſtimmte, den der Wirth mit leuch⸗ tendem, thränenfeuchtem Blicke ausbrachte:„Alles, was wir lieben, lebe!“ Sie dachte dabei an ihre kleine Hulda.
Aber jetzt wollen wir zu dem übergehen, was dieſen Tag für Suſanna beſonders merkwürdig machte.
Nach Tiſch und nach dem Kaffee trennte ſich die Ge⸗ ſellſchaft der nordiſchen Sitte gemäß. Die Frauen blie⸗ ben auf dem Sopha und den Lehnſtühlen ringsherum ſitzen, ſprachen von häuslichen und nachbarlichen Angelegenhei⸗ ten, ſowie von den wohlüberſtandenen Weihnachtsbeſchäf⸗ tigungen und die Worte„ſchwere Arbeit“ wurden oft ge⸗ hört.
Die jungen Mädchen ſchaarten ſich am Fenſter und von dieſer Gruppe aus hörte man Worte, wie„Putz, und ſchön, und Gott wie allerliebſt!“ nebſt fröhlichem Scherzen und Gelächter.
Im anſtoßenden Zimmer ließen ſich die Herren bei Pfeifen und Politik nieder.
Suſanna ſaß nahe an der vffenen Thüre des Zim⸗ mers, wo die Herren ſich befanden und da ſie ſich durch die Geſpräche in ihrer nächſten Umgebung wenig ange⸗ zogen fühlte, konnte ſie nicht umhin, auf das zu lauſchen,
„


