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Streit und Friede oder Scenen aus Norwegen : Erzählung / von Friederike Bremer. Aus dem Schwed. übers. von G. Fink
Entstehung
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Gegend nieder, deren Namen und Lage wir Jedermann abrathen auf der Landkarte zu ſuchen, und nennen ſie

Heimthall.

Kennſt du das tiefe, kirchenſtille Thal,

Kaum erhellt von einem Sonnenſtrahl,

Ohne Heerden, ohne Steg und Namen? Velhaven.

Heimthal nennen wir einen Theil des Hallingtha⸗ les; wir verlegen uns in das Kirchſpiel Aal und überlaſſen es den Gelehrten ſich über unſere Kühnheit zu verwundern. Es hat, wie ſein Mutterthal, keine hiſto⸗ riſche Erinnerungen aufzuweiſen. Von den alten Koͤni⸗

gen von Hallingthal weiß man wenig. Nur einige Mauer⸗

trümmer, einige Grabeshügel geben dunkle Kunde von den Mächtigen, die einſt da geweſen. Wohl wohnt hier ein Volk, das ſeit undenklichen Zeiten bekannt iſt durch ſeine Ariuth, ſeine Vergnügſamkeit in harten Tagen, ſo wie durch ſeinen ſtreitluſtigen Sinn; aber Ruhe und Unruhe haben hier zwiſchen den Urbergen und Föh⸗ renwäldern ohne Lärm und ohne Glanz, unbemerkt von der übrigen Welt, gebaut und gewohnt, gelebt und außge⸗ hört zu ſein.

Ein Fluß, Sohn des Hallenjokul ſtrömt durch das Heimthal. Prauſend von wildem Muthe ſtürzt er aus einem engen Bergpaß in das Thal herab, hier ein freieres Feld, wird ſtille und jließt ſpiegelklar zwiſchen grünen Ufern hin, bis ſein Bett abermals von Granit⸗ bergen zuſammengedrängt wird. Da ergreift ihn wie⸗ derum Unruhe und in wilden Krümmungen rauſcht er daher, bis er ſich in die große Hallingthalself ſtürzt und in ihr ſtirbt.

Da wo ſich der Fluß in dem erweiterten Thale aus⸗ breitet, liegt ein größeres Gut. Ein wohlgebautes, aber etwas verfallenes hölzernes Wohnhaus ſtreckt ſeine Arme bis in die Tiefe des Thales aus. Von hier hat man

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