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Streit und Friede oder Scenen aus Norwegen : Erzählung / von Friederike Bremer. Aus dem Schwed. übers. von G. Fink
Entstehung
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Gottes Schatten geht durch die Natur. Linns.

Ehe noch ein Geſaͤng der Freude oder des Schmer⸗ zes aus ven Thälern Norwegens ſich erhob, ehe noch ein Rauch aus ſeinen Hütten emporwirbelte, ehe eine Art einen Baum in ſeinen Wäldern gefällt, noch ehe König Nor von Jotunhem auszog, um ſeine geraubte Schweſter zu ſuchen, dieſes Land durchſtreifte und ihm ſeinen Na⸗ men gab, ja ehe es noch Norweger gab, ſtand das hohe Doverfjeld⸗Gebirge mit den Snöhätta vor dem Angeſicht des Schöpfers.

Gegen Weſten erſtreckte ſich die gigantiſche Bergkette bis Romsdahlshorn, deſſen Fuß vom weſtlichen Meere beſpült wird. Südwärts bildet ſie unter verſchiedenen Namen(Langfjeld, Sognefjeld, Filefjeld, Hardangerfjeld u. ſ. w.) jenes unermeßliche Hochland, das auf einer Fläche von hundertundfünßzig Quadratmeilen Alles enthält, was die Natur Großes, Fürchterliches, Schönes und Entzücken⸗ des beſitzt. Hier ſteht noch heute, wie in den erſten Tagen der Welt, in den obern Tellemarken von unſichtbarer Hand gebaut der Fjellſtugan, deſſen Eiswälle und Thürme nur eben dieſelbe Hand ſtürzen kann; noch begegnen ſich, wie am Schöpfungsmorgen zur Mittagszeit auf den ſchneebe⸗ veckten Zinnen der Urgebirge Morgen⸗ und Abendroth zum flüchtigen Bruderkuß; noch donnern, wie damals, die Waſſerfälle, wenn ſie ſich in die Tiefe hinabſtürzen; noch ſtrahlen die Eisſpiegel der Joöckels(Gletſcher) dieſelben bald entzückenden, bald Grauen erweckenden Bilder zu⸗ rück; noch finden ſich, wie damals, Felsbrücken, die noch fein Menſchenfuß beſchritten, Thäler und Wälder, ein⸗

ſame Zellen der Natur, auf die nur der Adler und die