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Nina : Erzählung / von Friederike Bremer. Aus dem Schwedischen übersetzt von G. Fink
Entstehung
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von zitternder Hand geſchriebene Zeilen ent⸗ ielt: „Wenn Sie die Gewiſſensqualen eines Sterbenden zu lindern, und ein wichtiges Geheimniß aufgedeckt zu ſehen wünſchen, ſo reiſen Sie ſogleich nach W. Fragen Sie im Wirthshaus nach einem Mann Namens Erik B. Er wird Sie zu Demjenigen führen, der dieſe Zeilen ſchreibt. Reiſen Sie aber Tag und Nacht, denn ich bin ſchwach, und die Stunden meines Lebens ſind gezählt.“

Bleich gab Nina den Brief zurück und ſagte zu ihm: fort! Nur ſchnell, ſchnell! o der Unglück⸗ iche!“ Eine lebhafte Hoffnung, das angedeutete Geheimniß möchte ihn ſelbſt betreffen und die Feſſel von ſeinem Leben nehmen, blitzte in Herveys Seele; aber die Freude darüber wurde in dieſem Augenblick von dem Gedanken aufgewogen, Nina verlaſſen zu müſſen. Der Briefſteller wohnt in weiter Ferne in einer andern Provinz. Herveys Abweſen⸗ heit wird mehrere Tage währen. In dieſer kurzen Zeit kann Evla zurückkommen;... Graf Ludwig. und Nina ſind allein! Dieſer Gedanke war für Hervey eine unerträg⸗ liche Qual. Er konnte ſeine Unruhe, ſeine tiefe Gemüths⸗ bewegung nicht verbergen. Nina war jetzt die mild trö⸗ ſtende und aufrichtende Freundin. Aber er hörte ſie lange nicht an. Er ging und kam, er ſchien ſprechen zu wollen, ſchwieg aber wieder. Auf einmal ergriff er heftig ihre Hand und rief:„Verſprich mir. verſprich mir.. nein!“ unterbrach er ſich ſelbſt, indem er von ihr wegging —„nein! Kein Verſprechen!“ Er kam wieder und ſah ſie mit unaus ſprechlicher Liebe an.„Nina,“ ſagte er lang⸗ ſam und ſtark,„ich kann und will dich nicht verlieren!“ Er nahm ihre Hände in die ſeinigen, beugte ſein Geſicht varüber, und Nina fühlte ſeine brennenden Thränen.

Nina weinte auch, fand aber doch Worte, um zu tröſten und zu ſtärken.

„Was ſollte uns zu trennen vermoͤgen?“ ſagte ſie