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Die Nachbarn : Skizze aus dem Alltagsleben / von Friederike Bremer
Entstehung
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Töchter, beſonders nicht viel von einander, ihr Schwe⸗ ſtern. Die Kunſt, mit ſich ſelbſt und Andern in Unfrie⸗ den zu kommen, heißt, Viel fordern, Wenig geben.

Wird es euch eng auf der Erde, ſo blickt zum Him⸗ mel hinauf, aber nicht wie die Truthühner, ſondern wie gläubige Kinder. Fällt eine von euch, ſo denke ſie ſogleich daran, wieder aufzuſtehen. Es findet ſich für den Fehlenden, wie für den Unglücklichen, ſtets eine ausgeſtreckte Hand. Erfaſſet ſie.

Ach, meine Töchter..

Was iſt aus meinen Töchtern geworden? Sie haben ſich in einen Sohn verwandelt, und der junge Herr war unhöflich genug, die Epiſtel an ſeine Schwe⸗ ſtern zu unterbrechen. Da liegt er jetzt in der neuen Korbwiege unter grünem Tafftgewölbe, majeſtätiſch, roth und fett. Und der große Bär liegt vor dem kleinen Bär auf den Knieen. Ich habe große Luſt, ihm in ſeiner Abgötterei Geſellſchaft zu leiſten. Aber Bär Vater findet es paſſender, daß der Sohn ſeiner Mutter auf⸗ warte. Ich bin ſtolz auf meinen kleinen Jungen, aber der Menſch iſt nun einmal ſo ich hatte ſo ge⸗ wiß ein Mädchen erwartet, daß es mir beinabe leid thut.Aber aufgeſchoben iſt nicht aufgehoben, trö⸗ ſtete mich ma chéère mére.

Was ſoll ich mit meiner Epiſtel anfangen, Bär? Sie paßt nicht für den gnädigen Junker da.

Ich will ſie für unſere Mädchen aufbewahren. Schreib du eine andere für den Burſchen.

Glücklich die Frau, liebe Marie, die gleich mir Sohne von ganzem Herzem die Ermahnung geben ann:

Werde wie dein Vater!

Nein, Bär! du darfſt nicht ſehen, was ich ſchreibe, du darfſt mir das Papier nicht wegnehmen, du Tyrann, ich verſpreche, es kurz zu machen; nur noch einige Worte muß ich binzufügen.

Dieſe guten Menſchen, meine Wa Von allen