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Die Nachbarn : Skizze aus dem Alltagsleben / von Friederike Bremer
Entstehung
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das Unweſen der Hexen ſich bewahrheiten zu wollen ſcheinen, wo der arme Wanderer im Norden ſich oft verirrt. Seine Frau oder eine alte Mutter vermißt ihn beim Abendfeuer der Hütte. Sie hofft auf den mor⸗ genden Tag, aber da wird erzählt:Man fand ihn todt im Schnee, draußen im Walde.

Hagar's Geſundheitszuſtand hatte eine neue Ver⸗ änderung erlitten. Die Steigerung ihrer Lebenskräfte, die einen Augenblick an Geneſung hatten glauben laſſen, nahm plötzlich ab und ein Zuſtand großer Schwäche trat ein.Nicht ihre Wunde, ſondern ihre Seele zehrt an ihrem Leben, ſagte Doctor Werner. Es war jetzt ſtille im Krankenzimmer, Serena allein bewegte ſich darin, ſtille Leib und Seele pflegend. Auch die Kranke war jetzt ruhiger, indem ſie ſich ihrer treuen, milden Pflegerin gänzlich hingab.

An die Fenſter des Krankenzimmers ſchlug der eiſige Schauer und der Sturm ſchüttelte die Zweige des Baumes, der vor demſelben ſtand. Aber drinnen brannte eine Lampe ſtill und klar und eine milde Frauen⸗ ſtimme las die Worte:

Ich will mich aufmachen, und zu meinem Vater gehen und zu ihm ſagen: Vater, ich habe geſündigt im Himmel und vor dir;

Und bin hinfort nicht mehr werth, daß ich dein Sohn heiße; mache mich zu einem deiner Taglöhner.

Und er machte ſich auf und kam zu ſeinem Vater. Da er aber noch ferne von dannen war, ſabe ihn ſein Vater, und es jammerte ihn, lief und fiel ihm um ſeinen Hals und küſſete ihn.

Geſegnete, geſegnete Worte! rief bier eine matte Stimme vom Bette aus.Und wenn ich heim ginge, wie der verlorene Sohn ob ich wohl auch ſo empfan⸗ gen würde? Groß, groß iſt meine Schuld.

Aber Gottes Gnade iſt noch größer! antwortete Serena.Der verlorene Sohn hatte ja ſein ganzes