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Die Nachbarn : Skizze aus dem Alltagsleben / von Friederike Bremer
Entstehung
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ging bald darauf an ihren Leinwandſchrank. Auf dieſe Anordnung in den Zimmern folgten verſchiedene gröbere Haushaltungsgeſchäfte, bei denen mich ma chöre mére zur Theilnahme einlud;denn es kann Ihr gut thun, kleine Freundin, zu ſehen, wie es in einem ordentlichen Hauſe hergeht, es kann Ihr nöthig ſein, Eines oder das Andere in der Haushaltung zu lernen. Es fliegen einem keine gebratene Tauben in's Maul, man muß da⸗ für ſorgen, daß ſich Etwas im Keller vorfindet, wenn man Etwas auf den Tiſch haben will u. ſ. w. Ich begleitete ma chére mére in den Keller, wohin ſie mit einem großen Stück rother Kreide ging, und allerhand für mich etwas kabbaliſtiſche Striche und Zeichnungen auf Härings⸗ und Strömlingstonnen machte. Indeß erklärte mir ma chére mèére Alles und ließ mich in jeden Winkel des unterirdiſchen und wohl ausgeſtatteten Gewölbes ſehen; ſodann gingen wir auf den Boden hinauf; hier half ich Brodkiſten revidiren, Anatheme über Ratten ſchleudern und verſchiedene Mehlſäcke wägen. Endlich mußte ich mich ſelbſt wägen laſſen und ma chère mére lachte mich ordentlich aus, als es ſich zeigte, daß ich nicht volle achtzig Pfund wog. Zugleich verſicherte ſie mich, zu Karl XI. Zeiten wäre jede Frau, die man ſo leicht befunden hätte, als Hexe verbrannt worden. Ich nahm Alles dieſes ganz philoſophiſch auf und unterließ es nicht, mich in Bewunderung über ma chöre mére's Haushaltung und Ordnung zu ergießen. Dieſe Bewunderung ging mir wirklich von Herzen. In der That ein ſolches vollkommen ausgerüſtetes und vom Größten bis zum Kleinſten geordnetes Haus, wo Alles ſeinen beſtimmten Platz und ſeine beſtimmte Nummer bat, eine ſolche kleine Welt verdient betrachtet und be⸗ wundert zu werden und ebenſo die Hausmutter, die das lebendige Verzeichniß von dieſem Allem iſt und ihre Sachen ſo gut kennt, wie nur irgend ein General ſeine Streitkräfte.

Als wir mit dem Aufräumen fertig waren, ſetzten

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