Die Nachbarn.
Franziske W. an Marie M.
Roſenvik den 1. Juni 18...
Hier bin ich nun, meine liebe Marie, unter eige⸗ nem Dach und Fach, an meinem eigenen Schreibtiſch, bei meinem eigenen Bären.„Und wer iſt denn dieſer Bär?“ fragſt du wohl. Wer wird es anders ſein, als mein Mann? Ich nenne ihn Bär, weil— es ſich eben nicht anders trifft. Ich ſitze am Fenſter. Die Sonne geht unter. Zwei Schwanen ſchwimmen im See und durchfurchen ſeinen klaren Spiegel. Drei Kühe — meine Kühe— ſtehen am grünen Ufer, ſtill, fett, bedächtig und denken gewiß an Nichts. Wie prächtig ſie find! Jetzt kommt die Magd mit dem Schemel und dem Milcheimer. Die herrliche Milch auf dem Lande! Aber was iſt nicht gut auf dem Lande! Luft und Men⸗ ſchen, Speiſen und Gefühle, Erde und Himmel, Alles iſt da friſch und belebend. Jetzt muß ich dich in meine Wohnung führen. Nein! Ich muß weiter vorn anfan⸗ gen, oben von dem Hügel, von dem aus ich zum er⸗ ſtenmal das Thal ſah, wo Roſenvik liegt. Der Hügel liegt einige Meilen in Smaland drinnen. Siehſt du


