Teil eines Werkes 
5 (1849)
Entstehung
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Jakob von Artevelde.

Das Innere des Gotteshauſes hatte um dieſe Stunde etwas Heimliches, ja ſelbſt Schauerliches. Nur der Altar war von einigen Wachskerzen erhellt; in den Stühlen herrſchte dagegen eine Dunkelheit, in welcher man nichts als zweifelhafte Formen unterſcheiden konnte. Längs der Mauer zu beiden Seiten ſaßen die Beggynen wie Stein⸗ bilder, regungslos und ſtumm, in Reihen geordnet. Ihre ſchwarzen Gewänder verſchwammen in der Dunkelheit und konnten nicht von dem Auge gefaßt werden, wäh⸗ rend ihre weiße Kopfbedeckung allein ſichtbar blieb und ohne Stütze in der Luft zu ſchweben ſchien. Dieſe Kopf⸗ bedeckung bildete durch ihre weit vorſpringenden Falten eine undurchdringliche Tiefe für das Antlitz, welche kaum vermuthen ließ, daß ein menſchliches Haupt hinter dieſer undurchdringlichen Finſterniß verborgen liegen koͤnne. Eine ehrfurchterregende Stille füllte die Kirche. Nur von Zeit zu Zeit hörte man die murmelnde Stimme des Prieſters vor dem Altare oder ein fernes Huſten, das wie das Gekrächze eines Nachtraben aus der Dunkel⸗ heit aufſtieg.

Lieven, der wohl am Tage, doch nie am Abende in der Kirche des Beggynenhofes dem Gottesdienſte beige⸗ wohnt hatte, war nicht im Stande, ohne innere Angſt den Blick auf dieſe geiſterhafte Verſammlung zu richten. Und doch ward durch dieſe Rührung ſelbſt ſein Auge unaufhaltſam vom Altare weggezogen, um in die dun⸗ keln Kopfbedeckungen einzudringen und, wenn es mög⸗ lich ſei, das bleiche, aber ſüße Antlitz Veerle's zu erken- nen. Jedes Mal wandte er jedoch entſetzt den Blick wie⸗