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Jakob von Artevelde. 23
hatten aber vielleicht niemals Haß und Zorn mit größe⸗ rer Gewalt in ſeinem Buſen gelodert. An dem entſetz⸗ lichen Lächeln, welches jetzt ſeine Lippen überzog, konnte man den Vorboten einer größeren Bosheit erkennen. Ohne Zweifel hatte er das Mittel gefunden, ſeinen Sohn graufam zu beſtrafen. Er ging auf ihn zu, nahm ihn mit falſcher Freundlichkeit bei der Hand und ſagte mit eindringlichem Tone zu ihm:
„Wahrlich, Lieven! was die Leidenſchaft mich eben ausſtoßen ließ, liegt nicht ſo in meinem Herzen. Deine Worte, wenn auch ungegründet oder übertrieben, haben mich gerührt. Du kennſt Deinen Vater nicht recht. Ich laſſe mich zwar leicht fortreißen; aber ich treibe meine rechtmäßige Rache nicht ſo weit, und ſiegte ich wirklich über meine Feinde, ſo würde ich großmüthig genug ſein, um das Böſe, das ſie mir gethan, zu vergeben und zu vergeſſen. Was mich mitunter in Worten über die Gren⸗ zen der Mäßigung hinaustreibt, iſt kein Gefühl des Ei⸗ gennutzes, ſondern der Unwille über den Hohn, den man Dir zufügt gerade in dem Hauſe desjenigen, für deſſen Wohlſein Du Alles opferſt, auch die Ehre und das Le⸗ ben Deines Vaters. Du haſt mir nicht Glauben geſchenkt, als ich Dir ſagte, daß Mher Ghelnoot van Lens und Jungfrau Veerle übereinſtimmen, um Dich zum Deck⸗ mantel ihrer ſchändlichen Buhlſchaft zu machen..... 4
„Vater, Vater! Gnade!“ ſchrie Lieven voll Pein und Schrecken.„Zerreiße die letzte Ader nicht in mei— nem Herzen; laß mich fliehen!..... Rede nicht mehr! Du würdeſt mich zur größten Miſſethat verdammen; ich


