Teil eines Werkes 
4 (1849)
Entstehung
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96 Jakob von Artevelde.

Veerle trocknete ihre Thränen und ſtellte ſich gelaſſen wie ein geduldiges Schlachtopfer neben Lieven, deſſen Arm ſie zur Stütze nahm. So folgte ſie ihrer Mutter, welche mit der Magd bereits das Haus verlaſſen hatte.

Beide Frauen waren zum Zeichen der Trauer in Sammt und Seide von düſteren Farben gekleidet. Veer⸗ le's Antlitz, noch weißer als ihre Haube, ſtach eigenthüm⸗ lich gegen ihren ſchwarzen Samaer ab, und obwohl ſie den Kopf ſenkte und ihr Antlitz faſt gänzlich verbarg, ſo blieb doch noch genug von ihren bleichen Wangen ſicht⸗ bar, um die Augen aller Vorübergehenden mit Neugier und Mitleid zu feſſeln. Jedermann, wenigſtens diejeni⸗ gen, die der Haß gegen ihren Vater nicht verblendete, beklagten das Schickſal der verwelkten Blume, die noch kürzlich unter den Genter Jungfrauen wie eine pracht⸗ volle Roſe ſtrahlte und von den Schönſten beneidet wurde. Jetzt ſchritt ſie ſchwankend einher, von geiſtigem Schmerze verzehrt, von der Verleumdung befleckt, von Angſt nie⸗ dergedrückt, und ſchamvoll wie eine Schuldige, welche nicht wagt, von ihrem Wege aufzublicken.

Wohl konnte man auf dem Geſicht der Frau Arte⸗ velde leſen, daß ein tiefer Schmerz ihren Buſen durch⸗ wühlte; aber dennoch ſenkte ſie nicht das Haupt. Ohne den Blicken der Vorübergehenden ſich trotzig entgegen⸗ zuſtellen, wich ſie ihnen doch nicht aus und wandelte mit ſtolzer Geduld und ungeſtört zwiſchen den Bürgern hin⸗ durch, wie Jemand, der in dem vollen Gefühle ſeiner Würde die Quelle eines unbeugſamen Muthes findet. Mochte das, was ſie hörte und ſah, ſie verwunden oder

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Jakob von