6 Jakob von Artevelde.
ben und bewundern, wo der Erfolg bewies, daß er ſich in ſeinen großen Entwürfen nicht getäuſcht habe!
Aber freie Völker ſind wankelmüthiger Art. Wenn man auch oft erſtaunt über die heldenmüthigen Kraft⸗ anſtrengungen, deren ſie ſich fähig zeigen, ſo möchte man noch öfter mitleidig lächeln über die kindiſche Grillen⸗ haftigkeit und weibiſche Schwäche, in die ſie verfallen. So lange die Zuchtruthe der Furcht vor ihren Augen erhoben bleibt, laſſen ſie ihre inneren Streitigkeiten fah⸗ ren, um die allgemeine Gefahr zu bekämpfen; jeder ſcheint zu fühlen, was er kann und was er nicht kann; die Herr⸗ ſchaft ſchlummert in den kleinen Seelen, und wer nicht geſchaffen iſt zu befehlen, bietet ſich ſelbſt an, um ſich be⸗ fehlen zu laſſen. Dann ſchreit das Volk nach Häuptern und Führern, und gewöhnlich wählt man mit wunder⸗ barem Scharfſinne die Muthigſten und Geſchickteſten da⸗ 3u1.... Sobald aber der Friede eintritt, ſobald die Gefahr verſchwindet und mit ihr die Zuchtruthe— augenblicklich richten die Gemüther alle ihre Kräfte nach Innen, um ſich Beſchäftigung in den unbedeutendſten Zwiſtigkeiten zu ſuchen: Parteiſucht, Neid, Haß und Verleumdung entbrennen plöͤtzlich; man ſteht auf gegen
eine Obrigkeit, der man ſich bloß aus Nothwendigkeit unterworfen zu haben ſcheint und die man vernichten will, weil man ſie für unnütz hält; man verkennt die erwieſenen Dienſte und ſcheint die Dankbarkeit ſelbſt als eine neue Sklaverei zu betrachten. In ſolchen Zeiten ge⸗ winnt die kleinlichſte Herrſchſucht wieder Raum; die dümmſte Unzufriedenheit, die ungeſetzlichſte Ehrſucht fin⸗
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