I.
Meine Nichte Frederika, die kleine, liebe— Gott ſei ihrem armen Seelchen gnädig— fragte mich oft mit thränenden Augen, warum ihre Mitſchülerinnen immer ſpot⸗ tend ſagten:„Du ſtehſt da wie die hölzerne Clara.“ Sie wußte ſo gut als ich, daß hölzerne Clara der Name eines Bildes war, was an der Treppe des Antwerpner Mägde⸗ hauſes(Waiſenhaus für Mädchen) ſtehst, aber ſie hätte gern von mir erfahren wer dieſe Clara geweſen iſt, und was ihr Name bedeutet.
Ich konnte damals ihrem Wunſche nicht entſprechen und mußte ſie ungetröſtet und ohne Antwort laſſen.
Längſt ruhete mein Nichtchen ſchon auf dem Kirchhofe zu Stuivenberg und das Kreuzchen auf ihrem Grabe war ſchon verfallen und verſchwunden, als ich, von poetiſcher Begeiſterung dazu getrieben, endlich anfing mit Ernſt und Ausdauer die alten Volksſagen meiner Vaterſtadt Antwer⸗ pen⸗zu ſtudiren und dann auch erfuhr wer dieſe„Houten Clara oder Houten Cleer“— wie die Antwerpner ſagen— eigentlich war. Dieſe Geſchichte, die ſich kurz nach der Ein⸗ nahme Antwerpen’s durch den Herzog von Parma ereignet haben ſoll, gleicht durchaus nicht einer gewöhnlichen Volks⸗ ſage, und man darf daher mit Recht vermuthen, daß ihr


