Teil eines Werkes 
1. Bd. (1864)
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Thränen aus, als ſie dann ihre Schweſter umarmte. Wir hatten ſo wenig Ahnung von der Wahrheit, daß wir dieſe Zeichen einer neuerwachten Zärtlichkeit und Zuneigung für ein Verſprechen der Beſſerung für die Zukunft hielten.

Dieſen Morgen, ein wenig nach acht Uhr, als ihre Schweſter in ihr Zimmer ging, war es leer, und ein Brief von ihrer Hand mit Noras Adreſſe lag auf dem Toilettentiſche. Ich kann Nora nicht bewegen, daß ſie den Brief aus den Händen gibt, ich kann Ihnen nur die beiliegende Abſchrift davon ſenden. Sie werden ſehen, daß er über die von ihr ein⸗ geſchlagene Richtung durchaus keinen Aufſchluß gibt.

Indem ich den Werth der Zeit bei dieſem entſetz⸗ lichen Vorfalle wohl kannte, unterſuchte ich ihr Zim⸗ mer und fragte mit Hilfe meiner Schweſter die Dienſt⸗ boten aus, augenblicklich, nachdem ich die Nachricht von ihrer Entweichung erhalten hatte. Ihr Kleider⸗ ſchrank war leer, und alle ihre Koffer außer einem, welchen ſie augenſcheinlich mit ſich genommen hatte, waren ebenfalls leer. Wir ſind der Meinung, daß ſie insgeheim ihre Kleider und Kleinodien zu Geld gemacht hat, daß ſie den einzigen Koffer, welchen ſie mit ſich nahm, geſtern aus dem Hauſe ſchaffte und daß ſie uns heute früh zu Fuß verließ. Die Ant⸗ worten, welche eins von den Dienſtmädchen gab, waren ſo ungenügend, daß wir glauben, das Frauen⸗ zimmer iſt von ihr beſtochen worden, ihr beizuſtehen und hat alle jene Einleitungen zur Flucht beſorgt, welche ſie, ohne entdeckt zu werden, kaum ſelbſt treffen konnte.

Ueber die nächſte Urſache, warum ſie uns verließ, hege ich nicht den geringſten Zweifel.

Ich habe Gründe, die ich Ihnen bei paſſender Ge⸗ legenheit weiter mittheilen kann, mich verſichert halten zu dürfen, daß ſie fortgegangen iſt, ihr Glück auf der Bühne zu verſuchen. Sie hat in ihrer Verwah⸗