daß wir zu Hauſe blieben. Das ſchlechte Gas, die üble Luft, die ſpäte Zeit, was können Sie da Gutes erwarten? Sie iſt auch nicht von Eiſen, daher hat ſie nun zu leiden. Nein, meine Theure, Sie dürfen es nicht leugnen. Ich ſehe, Sie haben ſich Kopfweh geholt.
Noras dunkles, hübſches Geſicht erhellte ſich zu einem Lächeln, dann hüllte es ſich wieder in ſeine gewöhnliche ruhige Zurückhaltung.
— Ein klein wenig Kopfweh; nicht halb ſo groß, um mich das Concert bereuen zu laſſen, ſagte ſie und ging dann vor ſich hin an das Fenſter.
An dem fernen Ende eines Gartens mit Gehege ruhte der Blick auf einem Strom und einigen Pachterwohnungen, die jenſeit deſſelben lagen, und auf der Oeffnung einer be⸗ waldeten Felsſchlucht(in Somerſetſhire ein„Combe“ ge⸗ nannt), welche hier die Hügel, die den Hintergrund ſchloſſen, durchbrach. In nicht großer Entfernung ſah man einen Streifen Landſtraße, welcher ſich über die ſanften Bodenwellen des offenen Feldes hinſchlängelte, und auf dieſem Streifen wurde die ſtattliche Figur Mr. Vanſtones deutlich erkennbar, der eben von ſeinem Morgenſpazier⸗ gange nach Hauſe zurückkehrte. Er ſchwenkte fröhlich ſeinen Stock, als er ſeiner älteſten Tochter am Fenſter anſichtig wurde. Sie nickte ihm zu und winkte ihm anmuthig und hübſch mit der Hand zum Gegengruß, aber mit einer Art altmodiſcher Förmlichkeit, wie ſie einer ſo jungen Dame ſeltſam zu Geſichte ſtand und auch zu einer Begrüßung nicht paſſen wollte, die doch dem Vater galt.
Die Hausuhr ſchlug die heute vorgerückte Frühſtücks⸗ ſtunde. Als der Minutenzeiger fünf Minuten weiter zeigte, wurde eine Thür in dem obern Theile des Hauſes zuge⸗ ſchlagen, eine helle jugendliche Stimme ließ ſich mit lieb⸗ lichem Geſange vernehmen, leichte raſche Schritte eilten die oberen Stufen herunter, hüpften in leichten Sprüngen auf den erſten Abſatz und eilten dann noch ſchneller den
untern Theil der Treppe herab. Einen Augenblick ſpäter, und die jüngere von Mr. Vanſtones beiden Töchtern, den


